Microtuning

BACKSTAGE

Tuningfaschismus

Microtuning klingt nach mickrig; so, als wenn es etwas Untergeordnetes ist, untergeordnet unter die Herrschaft der normalen Stimmung.
Und die normale Stimmung ist dann natürlich die 440 Hz gleichstufige Stimmung.

Mit Stimmgeräten kann man meistens ein paar Standard Skalen wie zum Beispiel die pythagoreische Stimmung einstellen, man kann vielleicht auch die Mastertune-Frequenz von 440 Hz auf zum Beispiel 432 Hz einstellen, aber das war es dann auch schon bald.

So funktioniert der Tuningfaschismus (ich meine das nicht wirklich so, die Leute wissen es nicht besser), über die Wortwahl und in der Beschränkung der Stimmgeräte auf das Übliche.


Richtig ist der Ausdruck Tuning, wobei das Tuningwerkzeug (das Stimmgerät) in der Lage so muss, jede beliebige Frequenz für jeden beliebigen Ton einzustellen. Der Ausdruck Microtuning kann dann wegfallen.

Eine löbliche Ausnahme für das Smartphone

Pano Tuner – Chromatic Tuner


Oder dieses Vst-Plugin für den Computer:
Chromatia Tuner


Eigentlich geht es hier auch überhaupt nicht um Microtuning.
Das sind alles nur Abweichungen von der reinen Stimmung, die die Grundlage aller Stimmungen ist, weil sie die universelle, natürliche Stimmung ist.

Es geht also um die genaue Stimmung der Töne einer Tonleiter in der reinen Stimmung.

reine Stimmung

Die reine Stimmung wird oft unter Microtuning subsumiert.
Das ist Blödsinn, hat sich aber so eingebürgert.
Bei Synthesizern findet man in der Bedienungsanleitung denn auch
den Begriff Microtuning und die reine Stimmung als „Just Intonation“.
Aber Vorsicht!
Es kommt vor, dass das Tuning nicht mit unseren Vorstellungen übereinstimmt.
Am besten ist es,
alles kontrollieren und ggf. berichtigen zu können.
Das ist mit den hier aufgeführten Klangerzeugern auch möglich.

Die reine Stimmung ist eine Standardstimmung,
die auf der Naturton-Obertonreihe basiert.
Das Microtuning ist was ganz anderes.
Der Begriff Microtuning gehört zur mikrotonalen Musik!

Beispiel Instrument
Reaktor Blocks:

Reaktor Blocks - Microtuning

Eine Tonleiter hat hier 12 Töne, die mit den Drehknöpfen gestimmt werden können.


Beispiel Instrument HALion

HALion - Microtuning

Das gleiche Prinzip, nur dass hier die Werte mit der Tastatur eingegeben werden.


In diesem Video sieht und hört man, dass die gleichstufige Stimmung nicht anderes ist als eine Verstimmung und sie ist im Prinzip ein Tremoloeffekt. Der Ton eiert.


In diesem Video sieht man den HALion in der reinen Stimmung mit der Bezugsfrequenz von 128 Hz. Das Spiel wird direkt im Instruments aufgezeichnet.


Beispiel Instrument Pianoteq

Pianoteq - Microtuning

Pianoteq bietet den absoluten Höhepunkt der Tuningmöglichkeiten, es geht nicht besser.


Microtuning mit Cubase

Reine Stimmung mit Cubase Instrumenten ganz einfach:
Cubase bringt eine ganze Reihe von Instrumenten mit: z.B. Padshop, ein Spezialist für Pads.
Cubase hat einen MicroTuner an Bord, mit der sich jede beliebige Stimmung realisieren lässt, allerdings nur für die Cubase Instrumente.
Hier habe ich ein Preset für die reine Stimmung mit der Bezugsfrequenz von 1 Hz (C= 128 Hz – A4= 426,67 Hz) gebastelt.
Bequemerweise brauche ich nicht mal in Padshop das Mastertune ändern.

Microtuning mit Cubase
Microtuning mit Cubase

Mikrotonale Musik

Mikrotonale Musik arbeitet mit mikrotonalen Intervallen, d. h. Intervallen, die kleiner als ein Halbtonabstand sind. Entsprechende zwischen den herkömmlichen Tonstufen liegende Töne werden zwar in klassischer Musik oder in Pop und Jazz schon immer eingesetzt (in Glissandi, Portamenti etc.), trotzdem spricht man hier nicht von mikrotonaler Musik. Eine derartige Musik muss vielmehr mit einem mikrotonalen Tonsystem verbunden sein oder mikrotonale Zeichen enthalten, die nicht nur sporadisch eingesetzt werden. Es müssen nicht zwangsläufig mehr als zwölf Töne pro Oktave vorhanden sein.

So heißt es in der Wikipedia.
Aber wir machen hier keine mikrotonale Musik, wir benutzen eine Stimmung.
Und nicht diese und jene, sondern genau vier Arten.

Es sind die gleichstufige Stimmung, die pythagoreische Stimmung, die Maria-Renold-Stimmung und die reine Stimmung.

Das hat mit mikrotonaler Musik nichts zu tun.

Mikrotonale Musik ist etwas für die Ethnomusik oder neue Musik für Intellektuelle.

Es heißt aber nun mal so bei vielen Herstellern der digitalen Instrumente, macht nichts, man gewöhnt sich daran. Es klingt nur immer so kleinteilig, so als wenn das richtige Tuning das Makrotuning ist, das Normale also. Aber das Normale ist nicht das Bessere. Es ist nur bequemer und für den normalen Musiker verständlicher.

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