Kam­mer­ton C=128 Hz

Kam­mer­ton C=128 Hz 

Ein Kam­mer­ton also, was ist denn das?

Der Kam­mer­ton, auch Stimm­ton und Nor­mal­ton genannt, ist ein als gemein­sa­mer Bezugs­punkt defi­nier­ter Ton, auf den die Instru­men­te einer Musik­grup­pe gleich hoch ein­ge­stimmt wer­den. Die Ton­hö­he des all­ge­mein ver­wen­de­ten Kam­mer­tons A ist nach mehr­fa­chen Fest­le­gun­gen in der Musik­ge­schich­te heu­te das ein­ge­stri­che­ne A (a′ auch a1).

Im Main­stream hat die­ser Ton eine Fre­quenz von 440 Hertz. Das ist bei Maria Renold anders: da hat die­ses ein­ge­stri­che­ne A (A4 im Key­board­deutsch) eine Fre­quenz von 432 Hz.

Es ist aber nicht ihr Kam­mer­ton. Oder doch? Ja, doch, es ist auch ihr Kam­mer­ton. Sie hat näm­lich zwei: 128 Hertz (C3) und 432 Hertz (A4).

Wie das?

Das geht so: sie hat eine Ton­lei­ter ent­wi­ckelt, die heißt THE SCALE OF FIFTHS oder auch Maria-Renold-Stim­mung.
Und da kom­men die­se bei­den Fre­quen­zen vor.

Ja, das geht so, und es klingt auch gut.

Da ist dann noch die pytha­go­rei­sche Stim­mung, da kom­men die­se bei­den Kam­mer­tö­ne auch vor.

Und es gibt die rei­ne Stim­mung mit der Bezugs­fre­quenz von 15 Hertz.

Also, da sieht man, dass der Begriff Kam­mer­ton nicht so ein­fach nur für eine Fre­quenz steht.

Wie kam es über­haupt zu die­sem Begriff, wie ist die His­to­rie? Lesen Sie hier!

Cos­mo Wel­fa­re C=128 Hertz

Ich kann­te 128 Hertz, bevor ich erfuhr, dass die Fre­quenz bei Maria Renold und Rudolf Stei­ner eine Rol­le spielte. 

Das kam, weil ich die Welt der musi­ka­li­schen Fre­quen­zen mathe­ma­tisch und phy­si­ka­lisch von der Basis her berech­net habe.
Das konn­ten Stei­ner und Renold nicht.
Sie sind nicht drauf gekom­men und sie hat­ten auch kei­nen Com­pu­ter mit Excel-Tabel­len. Und es war auch gar nicht das Bestre­ben von Maria Renold.

Rudolf Stei­ner, es scheint, er hat gesagt C=256 Hz, was aber fre­quenz­fak­tisch das Glei­che ist, denn 256 Hz ist eine Okta­ve von 128 Hz. Und 128 Hz ist eine Okta­ve von 1 Hz!
Die Zahl 1 erscheint in allen Kul­tu­ren als Ursprung, der die laten­ten Eigen­schaf­ten aller mög­li­chen Seins­ebe­nen im Keim enthält.

So kam das

Also: als ich im Jah­re 2000 lai­en­haft und spo­ra­disch mit mei­ner Fre­quenz­for­schung begann, wuss­te ich noch nicht, dass die­se Fre­quenz in der Anthro­po­so­phie eine grund­le­gen­de Rol­le spielt. Ich kann­te Rudolf Stei­ner und vie­le sei­ner Bücher, ich kann­te die bio­dy­na­mi­schen Nah­rungs­mit­tel von Deme­ter, ich kann­te ein paar Anthro­po­so­phen, aber mit Musik habe ich Stei­ner nie in Ver­bin­dung gebracht.

432 Hz wur­de mir durch Ioan­nes Pere­gri­nus näher­ge­bracht.
Sei­ne in rei­ner Stim­mung dre­hen­de Dreh­lei­er wur­de mir zum Leit­fa­den mei­nes musi­ka­li­schen Handelns.

Anfangs! Aber alles ist immer in Bewe­gung und ich fand bald mehr über die Fre­quen­zen her­aus. 432 Hz war gar nicht das Maß aller hei­len­den Musik.

Ich weiß nicht mehr genau, wie ich dar­auf gekom­men bin, viel­leicht Intui­ti­on, viel­leicht aber auch hin­rei­chen­de Mathe­ma­tik­kennt­nis­se und eine selbst gebas­tel­te Excel-Tabel­le. Das war 2013.

Okta­vie­rung

Ich hat­te ganz ein­fach bei 1 Hz begon­nen. In der Oktav­rei­he ist dann eben auch 128 Hz dabei (1–2‑4–8‑16–32-64–128…). In Ver­bin­dung mit der rei­nen Stim­mung und der natür­li­chen Ober­ton­rei­he fand ich ein Stim­mungs­sys­tem, das ich spä­ter Natu­ral Tuning nannte.

C = 128 Hz  A = 432 Hz
C=128Hz A=432Hz

Maria Renold

Erst 2018 ent­deck­te ich das Buch von Maria Renold: „Von Inter­val­len, Ton­lei­tern, Tönen und dem Kam­mer­ton C = 128 Hertz“. Ich habe Maria Renold sofort ver­stan­den und habe ihre Arbeit nach­voll­zie­hen kön­nen.

Wäh­rend die Maria Renold Stim­mung aber ein Stim­mungs­sys­tem für das ana­lo­ge Kla­vier ist, mit dem dem sich alle 12 Dur­ton­lei­tern durch­schrei­ten las­sen (so ähn­lich wie die pytha­go­rei­sche Stim­mung) hat das uni­ver­sel­le Fre­quenz­mo­dell der natür­lich rei­nen Stim­mung – Natu­ral Tuning – einen ande­ren Ansatz. 

Hier geht es um die rei­ne Stim­mung, die in der Maria Renold Stim­mung nicht durch­gän­gig ist.

Es gibt eine Art­ver­wandt­schaft, wobei das uni­ver­sel­le Fre­quenz­mo­dell alle Fre­quen­zen ein­be­zie­hen kann und als Bezugs­fre­quenz für eine Ton­lei­ter bereit­stel­len kann. Das ist bei der Maria Ronald Stim­mung nicht mög­lich und das war auch nicht das Ziel.

Aber die Basis­fre­quenz ist gleich, es gibt den glei­chen Start­punkt, es gibt den Bezug zur Naturton-Obertonreihe.

Natu­ral Tuning

Natural Tuning

His­to­ri­sches

Was ist über­haupt ein Kam­mer­ton? Es gibt jede Men­ge Erklä­run­gen im Netz.
Die­se hier hat mir am bes­ten gefal­len. Den Autor konn­te ich lei­der nicht mehr auftreiben.

Quel­le: https://www.harfenforum.de/forum/viewtopic.php?t=5093#p43666

Stimm­ton­hö­he in Alter Musik

Unser heu­ti­ger Stimm­ton von a = 440 Hertz ist eine rela­tiv neue Errun­gen­schaft. Er wur­de auf einer Stimm­ton­kon­fe­renz 1939 fest­ge­legt. Die Rund­funk­or­ches­ter gin­gen wegen angeb­li­cher Inter­fe­ren­zen bei der Mit­tel- und Kurz­wel­len­über­tra­gung in den 50er bis 70er Jah­ren des 20. Jahr­hun­derts auf 445 – 446 Hz hoch. Seit den Zei­ten von UKW und Digi­tal­ra­dio ist das kein The­ma mehr, und die Kul­tur­or­ches­ter (und mit Ihnen Opern­häu­ser, Musik­hoch­schu­len, Musik­schu­len, Kon­zert­sä­le, Kir­chen usw.) pen­del­ten sich auf 442 – 443 Hz ein.

Vor 1939 war vie­ler­orts a = 435 üblich. Vie­le Har­mo­ni­um-Instru­men­te aus der Zeit kün­den noch heu­te davon… Angeb­lich ver­such­te Ver­di, Auf­füh­run­gen sei­ner Opern an Häu­sern zu ver­hin­dern, die höher als 435 ein­stimm­ten. Der Stimm­ton 435 hat sich im 19. Jahr­hun­dert nach und nach eta­bliert. Doch jetzt mal der Rei­he nach:

Hoch-Renais­sance:

Bis zum Jahr 1600 ist die Fra­ge der Stimm­ton­hö­he extrem unüber­sicht­lich, da sie regio­nal sehr unter­schied­lich gehand­habt wur­de. Man ging sehr prag­ma­tisch und undog­ma­tisch vor: Die Streich­in­stru­men­te sah man als sehr fle­xi­bel an (die Instru­men­ta­lis­ten muss­ten halt sel­ber wis­sen, wo die Sai­ten-Reiß-Gren­ze liegt), Posau­nen und (Zug-) Trom­pe­ter konn­ten chro­ma­tisch trans­po­nie­ren, Zin­ke­nis­ten und Holz­blä­ser hat­ten in der Regel meh­re­re Instru­men­te in allen mög­li­chen Stim­mun­gen dabei. 

Sän­ger san­gen ger­ne tief, und man hat­te in der Nota­ti­on ein spe­zi­el­les Schlüs­se­lungs­sys­tem (Chia­vet­ten), das eine „eher tie­fe“ Lage anzeig­te, abwei­chend von der Norm­schlüs­se­lung, die eine hohe Stim­mung (wenn über­haupt, dann am Orgel­stimm­ton als einer fes­ten Grö­ße ori­en­tiert) anzeigte. 

Orgeln wur­den im Zwei­fel eher hoch gestimmt, das mach­te sie etwas bil­li­ger (weni­ger Mate­ri­al) in der Her­stel­lung. Der Unter­schied zwi­schen dem „Cor­net­ten­ton“ (hoch) und dem dama­li­gen (!!!) Chor­ton (tief) betrug in der Regel eine klei­ne oder gro­ße Terz, manch­mal (ins­be­son­de­re bei Instru­men­ten­mit­wir­kung) eine Quar­te, laut Prae­to­ri­us in Ita­li­en bis zu einer Quinte. 

Die Orgeln waren recht unter­schied­lich, zum größ­ten Teil lag das a min­des­tens einen Halb­ton höher als unser heu­ti­ges, also ab 465 Hz aufwärts.

Früh­ba­rock:

Mit der Gene­ral­bass­zeit eta­blier­ten sich immer­hin regio­nal eini­ger­ma­ßen ein­heit­li­che Stimm­tö­ne. In Vene­dig und im deut­schen Sprach­raum etwa bei ca. a = 465–476 Hz (also gut einem Halb­ton höher als heu­te), in Rom und Flo­renz bei ca. 435, in Nea­pel noch tie­fer. In Frank­reich kam es im Lau­fe des 17. Jahr­hun­derts zu der Her­aus­bil­dung eines Stimm­tons von 392 Hz (also 1 Ganz­ton unter unse­rem heu­ti­gen a).
Die Tra­di­ti­on der Trans­po­nie­rung bei Chia­vet­ten­no­ta­ti­on hielt sich wit­zi­ger­wei­se noch eine Zeit­lang. So notier­te z. B. Hein­rich Schütz sei­ne „Musi­ca­li­schen Exe­qui­en“ im Jahr 1636 für den Chor in Chia­vet­ten in a‑moll, für das Con­ti­nuo aber in e‑moll. Der Chor muss­te also nach alter Sit­te transponieren.

Hoch-und Spät­ba­rock:

Nach 1700 wur­de der Klang fran­zö­si­scher Instru­men­te in Deutsch­land beliebt (also die „Haut­bo­is“ = Oboe statt der Schal­mey, die „Flû­te tra­ver­siè­re“ = Quer­flö­te statt der Block­flö­te und das „Bas­son“ = Fagott statt dem Dul­zi­an). Die Stimm­ton­hö­hen zwi­schen Deutsch­land und Frank­reich lagen aber eine klei­ne Terz aus­ein­an­der (s.o.). Um die tie­fen fran­zö­si­schen Instru­men­te inte­grie­ren zu kön­nen, schrieb man gele­gent­lich in meh­re­ren Ton­ar­ten gleich­zei­tig: Man­ches Werk aus die­ser Zeit hat daher Fagott­stim­men oder Obo­en­stim­men in B‑Dur, wäh­rend alle übri­gen Instru­men­te in G‑Dur spielten.

Dies war natür­lich kei­ne nach­hal­ti­ge Lösung. Man bau­te schließ­lich die fran­zö­si­schen Instru­men­te etwas klei­ner nach und ver­leg­te ab ca. 1715 den Stimm­ton einen Ganz­ton nach unten, d. h. in Lep­zig bei­spiels­wei­se von 470 Hz (etwas höher als unser b‘ ) nach 421 Hz (etwas höher als unser as‘). Die Sai­ten­in­stru­men­te wur­den ent­spre­chend umbe­sai­tet / umgestimmt. 

Nicht umrüs­ten konn­te man die Orgeln (zu auf­wän­dig) und Trom­pe­ten (Metall war wahn­sin­nig teu­er). So ließ man die Orgeln wei­ter­hin trans­po­nie­ren (alle Wei­ma­rer und Leip­zi­ger Bach­kan­ta­ten haben Orgel­stim­men, die einen Ganz­ton tie­fer ste­hen als der Rest) und die Trom­pe­ten wid­me­te man um: Aus C‑Trompeten wur­den D‑Trompeten (daher der gro­ße Anteil D‑Trompetenliteratur im Barock). Man spricht jetzt vom Chor­ton (der jetzt der hohe ist!) bei den Orgeln und dem Kam­mer­ton bei den übri­gen Instrumenten.

[Anmer­kung: Als im 20. Jahr­hun­dert die His­to­ri­sche Auf­füh­rungs­pra­xis auf­kam, stimm­ten die meis­ten Ensem­bles aus prag­ma­ti­schen Grün­den nicht den für Bachs Musik rich­ti­gen Leip­zi­ger Kam­mer­ton 421 Hz, son­dern die nahe­ge­le­ge­nen 415 Hz, die prak­ti­scher­wei­se genau einen Halb­ton unter unse­rem heu­ti­gen Kam­mer­ton lie­gen. Ein Prag­ma­tis­mus, der sich z. B. aus dem Ver­schie­be­me­cha­nis­mus an Orgeln und Cem­ba­li erklärt. Dar­aus ergab sich die weit ver­brei­te­te Asso­zia­ti­on: „Alte Musik = ein Halb­ton tiefer“.]

Klas­sik und Romantik:

Wahr­schein­lich auf­grund des Ein­flus­ses ita­lie­ni­scher Musi­ker nach 1750 v.a. in Wien und Mün­chen stieg der Kam­mer­ton im deut­schen Sprach­raum auf ca. 430 Hz (Mozart-Zeit), und mit der Höher-Schnel­ler-Wei­ter-Ästhe­tik der Indus­tria­li­sie­rung im 19. Jahr­hun­dert all­mäh­lich auf 435 und dar­über hinaus.

Heu­te üblich ist 440 Hz die Norm.
Aber der Kam­mer­ton als sol­cher ist bei wei­tem nicht so wich­tig, wie man gemein­hin glaubt.
Er ist eigent­lich nur eine Hil­fe bei der Ver­ein­heit­li­chung der Stim­mung, wenn meh­re­re Instru­men­te zusam­men­spie­len.
Wich­ti­ger sind die Inter­val­le, die auf der Bezugs­fre­quenz aufbauen.


Kammerton C=128 Hz
YIN YANG GOLD