Rainer Maria Rilke – Meine Sammlung

Aus verschiedenen Büchern – Aus verschiedenen Zeiten

Der Alchimist

Seltsam verlächelnd schob der Laborant den Kolben fort, der halbberuhigt rauchte.
Er wusste jetzt, was er noch brauchte, damit der sehr erlauchte Gegenstand da drin entstände.
Zeiten brauchte er, Jahrtausende für sich und diese Birne in der es brodelte;
im Hirn Gestirne und im Bewusstsein mindestens das Meer.
Das Ungeheuere, das er gewollt, er ließ es los in dieser Nacht.
Es kehrte zurück zu Gott und in sein altes Maß;
er aber, lallend wie ein Trunkenbold, lag über dem Geheimfach und begehrte den Brocken Gold, den er besaß.

Der Panther

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, in der betäubt ein großer Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille sich lautlos auf -.
Dann geht ein Bild hinein, geht durch der Glieder angespannte Stille – und hört im Herzen auf zu sein.

Aus: Neue Gedichte (1907)


Gib deinem Herzen ein Zeichen

Gieb deinem Herzen ein Zeichen, daß die Winde sich drehn.
Hoffnung ist ohne gleichen wenn sie die Göttlichen sehn.
Richte dich auf und verharre still in dem großen Bezug;
leise löst sich das Starre, milde schwindet der Bug.
Risse entstehn im Verhängnis das du lange bewohnt,
und in das dichte Gefängnis flößt sich ein fühlender Mond.

Aus: Die Gedichte 1922 bis 1926 (Entwürfe; Muzot, Anfang Februar 1924)

Die Liebende

Das ist mein Fenster. Eben bin ich so sanft erwacht. Ich dachte, ich würde schweben.
Bis wohin reicht mein Leben, und wo beginnt die Nacht?
Ich könnte meinen, alles wäre noch Ich ringsum; durchsichtig wie eines Kristalles Tiefe, verdunkelt, stumm.
Ich könnte auch noch die Sterne fassen in mir, so groß scheint mir mein Herz;
so gerne ließ es ihn wieder los den ich vielleicht zu lieben, vielleicht zu halten begann.
Fremd, wie niebeschrieben sieht mich mein Schicksal an.
Was bin ich unter diese Unendlichkeit gelegt, duftend wie eine Wiese, hin und her bewegt,
rufend zugleich und bange, daß einer den Ruf vernimmt, und zum Untergange in einem Andern bestimmt.

Aus: Der Neuen Gedichte anderer Teil


Der blinde Knabe

An allen Türen blieb der blinde Knabe, auf den der Mutter bleiche Schönheit schien, und sang das Lied, das ihm sein Leid verliehn:
„Oh hab mich lieb, weil ich den Himmel habe.“ Und alle weinten über ihn. An allen Türen blieb der blinde Knabe.
Die Mutter aber zog ihn leise mit; weil sie die andern alle weinen schaute.
Er aber, der nicht wußte, wie sie litt, und nur noch tiefer seinem Dunkel traute, sang: „Alles Leben ist in meiner Laute.“
Die Mutter aber zog ihn leise mit. So trug er seine Lieder durch das Land.
Und als ein Greis ihn fragte, was sie deuten, da schwieg er, und auf seiner Stirne stand:
Es sind die Funken, die die Stürme streuten, doch einmal werd ich breit sein wie ein Brand.
So trug er seine Lieder durch das Land. Und allen Kindern kam ein Traurigsein.
Sie mußten immer an den Blinden denken und wollten etwas seiner Armut weihn;
er nahm sie lächelnd an den Handgelenken und sang: „Ich selbst bin kommen euch beschenken.“
Und allen Kindern kam ein Traurigsein. Und alle Mädchen wurden blaß und bang.
Und waren wie die Mutter dieses Knaben, der immer noch in ihren Nächten sang.
Und fürchteten: wir werden Kinder haben, – und alle Mütter waren krank..
Da wurden ihre Wünsche wie ein Wort und flatterten wie Schwalben um die Eine, die mit dem Blinden zog von Ort zu Ort:
„Maria, du Reine, sieh, wie ich weine. Und es ist seine Schuld. In die Haine führ ihn fort!“
Bei allen Bäumen blieb der blinde Knabe, auf den der Mutter müde Schönheit schien, und sang das Lied, das ihm sein Leid verliehn:
„Oh hab mich lieb, weil ich den Himmel habe-„
Und alle blühten über ihm.

(Zoppot, Juli 1898)


In diesem Dorfe

In diesem Dorfe steht das letzte Haus
In diesem Dorfe steht das letzte Haus
so einsam wie das letzte Haus der Welt.
Die Strasse, die das kleine Dorf nicht hält,
geht langsam weiter in die Nacht hinaus.
Das kleine Dorf ist nur ein Übergang
zwischen zwei Weiten, ahnungsvoll und bang,
ein Weg an Häusern hin statt eines Stegs.
Und die das Dorf verlassen, wandern lang,
und viele sterben vielleicht unterwegs.

Rainer Maria Rilke, 19.9.1901, Westerwede


Die Kirche von Nago

Diese Dörfer sind arm und klein; du kommst nirgends hinaus und hinein, nur ein paar Hütten, die dir begegnen mitten im Mai.
Willst du sie segnen? Sie sind schon vorbei.
Aber vor dir die Kirche steht ragend im Abend höher oben als hätte die Erde selber gehoben aus kleinen Hütten ein großes Gebet.
Aber es muß schon lange sein seit dies geschah:
vom Kreuzturm stürzte die Stange ein, die Glocke schlief überm Klange ein – niemand war da.
Haben im Dorf wohl das Beten vergessen – oder beten sie anderswo?
Sie denken: ohne die teuern Messen geht das Sterben auch so.
Und lassen es über die Reben regnen und lassen es über die Rosen scheinen und vergessen das Lachen
und kennen kein Weinen und sind doch die Deinen: Willst du sie segnen?


Du willst erst in deiner Kirche ruhn und dann zurück zu den seltsam Frommen hell von dämmernden Hängen kommen und Wunder tun.
Weißt du schon, wie du dann ihr Weh wirst bedenken?
Wirst du die Jungen aus den Gesenken noch vor Tag auf den Hügel lenken und von dort ihrem Schauen schenken den Gardasee?
Wirst du die Berge gleich Riesenpfühlen näher rücken um dieses Tal, daß die Alten mit einem Mal sich heimlicher fühlen?
Denn du hast Mächte und Möglichkeiten und die Dinge, die du rufst werden dich wie einen König begleiten
und dir willige Brücken breiten über die Meere, die du schufst. –
Aber heute bist du schon matt. Und dein Kleid ist bestaubt. Staubig dein Haupt. Kommst du von weit?
Er sagt: „Mein Weg ist von Meer zu Meer. Ich bin her aus dem fernen Gestern gekommen.
Und weiß nicht wie. Meine Leiden, die weißen Schwestern haben mich in die Mitte genommen… Jetzt weinen sie.“
Er schwieg. Und ich hörte sie wirklich weinen und sah, wie er zwischen steilen Steinen langsam zu seiner Kirche stieg.


So war kein Sieg. Das war die Heimkehr eines Ermatteten, der viel geirrt, und niemehr Hirt und dunkel aller Beschatteten Bruder wird.
Aber noch steht ihm das Haus, in welches ihr Beten lange alle die Armen gebracht;
und wenn er es findet, wird es ihm Macht,
und er wird wie im Traum im fürstlicher Tracht erwacht nach raschem Ruhn heraus aus Trümmern treten und Wunder tun.
Der Müde oben tritt tastend ein. Die Kirche ist schwarz, und das Dunkel ist klein und wird erst langsam den Blicken weit.
Der Einsame bringt die Ewigkeit mit in die Mauern und breitet sie aus mit segnenden Händen –


Da durchweht von den Wänden lebendige Wärme das Haus. Und jetzt erst erkennt er: die Kirche log.
Wo der Altar war, da ist neu eine Krippe gezimmert: Scheu umdrängen drei Kühe den Trog, und heufeucht duftet die Streu.
Und die Ewigkeit, die er ausgespannt, reicht nicht einmal von Wand zu Wand, wird eine ängstliche Ewigkeit:
denn das Land ist breit. Und der Bleiche bleibt einsam an seinem Rand, bleibt knien.
Und es weht wie aus einer Wiege warm um ihn. Und er ist wie ein König aus Morgenland – nur ganz arm.

(Zoppot, Juli 1898)

Die Nonne

Die blonde Schwester trat in ihre Zelle und schmiegte sich an sie:
„Um meine Ruh ist es geschehn. Ich wurde wie die Welle und muß den fremden Meeren zu.
Und du bist klar. Du Heilige, du Helle, mach mich wie du.
Gieb mir den Frieden, den du heimlich hast und ohne Angst, so wie ihn keine hat, –
gieb mir die Rast; daß ich ein Fels bin, wenn die Flut mich faßt, und nicht ein Blatt.“
Und leise neigte sich die Nonnenhafte – nicht tief: nur wie die Blüte horcht vom hohen Schafte, wenn Wind sie rief.
Sie hatte längst die Gesten den Geländen entlernt – die leise gebenden –
und fügte einen Kranz aus ihren Händen und schenkte lächelnd ihn der Bebenden.
Und nach dem Schweigen waren sie sich nah; so daß sie sich nicht dunkel fragen mußten und sich nur klar das Letzte sagen mußten
und das geschah: „Sprich mir von Christo, dessen Braut du bist, der dich erkor. Und seine Liebe, deren Laut du bist, tu auf mein Ohr.
Laß mit mich wohnen in seiner Trauer, deren Trost du bist! Du Leiserlöster. weo erlost du bist aus Millionen.“
Da küßte kühler sie die Priesterin und sprach: „Ich bin ja selbst an Gottes Anbeginn, und dunkel ist mir meiner Sehnsucht Sinn –
Weit ist der Weg, und keiner weiß wohin, doch sag ich dir, weil ich die Schwester bin: Komm nach.
Mit einemmale wird dir Alles weit, du langst dir nach. Nur eine Weile geht noch aus der Zeit die Angst dir nach.
Doch wenn du glaubst, so kann sie weit nicht mit und sie wird lahm und bleibt zuletzt.
Und wie es kam? Das, was ich einmal litt, lobpreis` ich jetzt.
Und Nächte giebt es, da die blasse Scham entflieht, da schenkt sich Jesus wie ein Lied mir hin,
und meine Seele sieht, daß ich ein Wunder bin, das ihm geschieht.“
Die Schwestern waren Brust an Brust gepreßt und beide jung im Glühn des gleichen Scheines:
„Dann bin ich mit dem großen Leben Eines und fühle tief: das ist das Hochzeitsfest, und alle Krüge wurden Krüge Weines.“
Da neigten die Mädchen sich Leib an Leib: es war, als ob derselbe Sturm sie streifte
und sie umwob und dann die Blonde hob in einen Sommer hoch, darin sie reifte – zum Weib.
Denn sie küßte die Schwester mit fremdem Kuß und lächelte fremd: „Vergieb, – ich muß. –
Weißt du noch von dem blonden Gespielen? Und wir warfen nach weißen Zielen schlanke Speere im alten Park: Der ist jetzt stark.“
Und da hielt die Nonne die Schwester nicht – sah der Schwester nicht ins Gesicht, ließ sie ganz langsam los, wurde groß…
Die Blonde erschrak; denn kein Segen kam, und bange bat sie: „So bist du mir gram?“ Die Heilige träumte: Ich hab dich lieb.
Und hielt der Schwester die Hände her, leer, – als flehte sie: gieb.

(Zoppot, Juli 1898)


An die Musik

An die Musik

Musik: Atem der Statuen.
Vielleicht: Stille der Bilder.
Du Sprache wo Sprachen enden.
Du Zeit, die senkrecht steht auf der Richtung vergehender Herzen.
Gefühle zu wem?
O du der Gefühle Wandlung in was? -: in hörbare Landschaft.
Du Fremde: Musik.
Du uns entwachsener Herzraum.
Innigstes unser, das, uns übersteigend, hinausdrängt,
heiliger Abschied: da uns das Innre umsteht als geübteste Ferne,
als andre Seite der Luft: rein, riesig, nicht mehr bewohnbar.

Aus dem Nachlaß


Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.

Rainer Maria Rilke, 21.11.1898, Berlin-Wilmersdorf


Ich ließ meinen Engel lange nicht los

Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
und er verarmte mir in den Armen
und wurde klein, und ich wurde groß:
und auf einmal war ich das Erbarmen,
und er eine zitternde Bitte bloß.
Da hab ich ihm seine Himmel gegeben, –
und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
und wir haben langsam einander erkannt..

Rainer Maria Rilke, 22.2.1898, Berlin-Wilmersdorf


Das Rosen-Innere

Das Rosen-Innere
Wo ist zu diesem Innen ein Außen?
Auf welches Weh legt man solches Linnen ?
Welche Himmel spiegeln sich drinnen in dem Binnensee dieser offenen Rosen, dieser sorglosen, sieh: wie sie lose im Losen liegen, als könnte nie eine zitternde Hand sie verschütten.
Sie können sich selber kaum halten; viele ließen
sich überfüllen und fließen über von Innenraum
in die Tage, die immer voller und voller sich schließen, bis der ganze Sommer ein Zimmer wird, ein Zimmer in einem Traum.

Rainer Maria Rilke, 2.8.1907, Paris


Über die Geduld

Man muss den Dingen
die eigene, stille
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und
dann gebären…

Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht, ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.

Er kommt doch!


Da neigt sich die Stunde und rührt mich an

Da neigt sich die Stunde und rührt mich an
Da neigt sich die Stunde und rührt mich an
mit klarem, metallenem Schlag:
mir zittern die Sinne. Ich fühle: ich kann –
und ich fasse den plastischen Tag.

Nichts war noch vollendet, eh ich es erschaut,
ein jedes Werden stand still.
Meine Blicke sind reif, und wie eine Braut
kommt jedem das Ding, das er will.

Nichts ist mir zu klein, und ich lieb es trotzdem
und mal es auf Goldgrund und groß
und halte es hoch, und ich weiß nicht wem
löst es die Seele los…

20.9.1899, Berlin-Schmargendorf


Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge, so sorglos, still und weit…

Man muss Geduld haben.

Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.

Rainer Maria Rilke, Viareggio bei Pisa (Italien), am 23. April 1903


Werkleute sind wir

Werkleute sind wir: Knappen, Jünger, Meister,
und bauen dich, du hohes Mittelschiff.
Und manchmal kommt ein ernster Hergereister,
geht wie ein Glanz durch unsre hundert Geister
und zeigt uns zitternd einen neuen Griff.

Wir steigen in die wiegenden Gerüste,

in unsern Händen hängt der Hammer schwer,
bis eine Stunde uns die Stirnen küsste,
die strahlend und als ob sie Alles wüsste
von dir kommt, wie der Wind vom Meer.

Dann ist ein Hallen von dem vielen Hämmern
und durch die Berge geht es Stoß um Stoß.
Erst wenn es dunkelt lassen wir dich los:
Und deine kommenden Konturen dämmern.

Gott, du bist groß.

26.9.1899, Berlin-Schmargendorf



Vom Tode

Worpsweder Skizzen I-V

I.

Wohin ich geh… ich möchte einen fragen,
warum ich fortging aus dem Haus, darin
die alten Uhren mir die Stunden sagen
mit einer Stimme, der ich dankbar bin.

Es ist zu stille, wo ich heute geh.
Der Pfad erträgt mich stumm wie einen Regen;
der Wind geht eine andere Allee,
in welcher welk die Äste sich bewegen.

Durch schwarzes Moorland wachsen Wassergassen,
an denen bang der Boden schwingt und schwankt,
und wenn ein Arm aus einer Weide langt:
ich bin ein Ding und muß mich fassen lassen..

II. 

…Er geht vor mir. Ich kann ihn immer sehn
und bin doch bange, ihn zu überholen.
Von seinen Schritten biegen sich die Bohlen,
und seine Schultern schließen die Alleen.

Er weiß den Weg, als wär das Land sein Eigen;
die Kreuzwegpfähle mit den langen Händen
scheinen sich von den Orten fortzuwenden
und heimlich hinter ihm auf ihn zu zeigen…

III.

In der dunkeln Diele weiß man oft nicht:
Wie viele sind da ?
Hebt da einer sein Angesicht,
den noch keiner sah.

Aber ein andrer senkt das Haupt,
der sonst immer sprach, –
und wird weit in der Welt, geglaubt,
Keiner forscht nach.

IV.

Die Mühle geht. Und ihre Arme schwingen
im hohen Winde, den sie nachts erbat.
Die Schatten ihrer schwarzen Achsen springen
in lichte Wiesen aus dem raschen Rad.

Es ist als rissen sie die Dinge mit
in eine Flucht, der keiner sich erwehrt,
vor einem, der in eine Hütte tritt
von allem Lande abgekehrt…

V.

Ganz in den Abend geht der Wasserlauf.
Das Land liegt flach. Aber an seinem Saum
steht immer wieder irgendetwas auf,
wird einfach, still und reimt sich in den Raum:
ein Haus, ein Baum…

Und ganz am Rande einer, der noch schafft.
Einsam ein Mann inmitten von Morästen;
an seinen Armen, wie an schwarzen Ästen,
hängt seine hin und her bewegte Kraft.

Man kann nicht sagen: gräbt er in die Gründe?
Denn seine Hände sind so fremd geführt,
als ob er wehrlos in dem Winde stünde,
der rings die Dinge nicht berührt…

Worpswede, Herbst 1900