Rai­ner Maria Ril­ke – Das Buch der Bil­der 2/2

Frag­men­te aus ver­lo­re­nen Tagen

…Wie Vögel, wel­che sich gewöhnt ans Gehn und immer schwe­rer wer­den, wie im Fal­len:
die Erde saugt aus ihren lan­gen Kral­len die muti­ge Erin­ne­rung von allen den gro­ßen Din­gen, wel­che hoch geschehn,
und macht sie fast zu Blät­tern, die sich dicht am Boden hal­ten,
wie Gewäch­se, die, kaum auf­wärts wach­send, in die Erde krie­chen,
in schwar­zen Schol­len unle­ben­dig licht und weich und feucht ver­sin­ken und ver­sie­chen, -
wie irre Kin­der, – wie ein Ange­sicht in einem Sarg, – wie fro­he Hän­de, wel­che unschlüs­sig wer­den,
weil im vol­len Kel­che sich Din­ge spie­geln, die nicht nahe sind, -
wie Hül­fe­ru­fe, die im Abend­wind begeg­nen vie­len dunk­len gro­ßen Glo­cken, -
wie Zim­mer­blu­men, die seit Tagen tro­cken, wie Gas­sen, die ver­ru­fen sind, -
wie Locken, dar­in­nen Edel­stei­ne blind gewor­den sind, -
wie Mor­gen im April vor allen vie­len Fens­tern des Spi­ta­les: die Kran­ken drän­gen sich am Saum des Saa­les und schaun:
die Gna­de eines frü­hen Strah­les macht alle Gas­sen früh­ling­lich und weit;
sie sehen nur die hel­le Herr­lich­keit, wel­che die Häu­ser jung und lachend macht, und wis­sen nicht,
daß schon die gan­ze Nacht ein Sturm die Klei­der von den Him­meln reißt,
ein Sturm von Was­sern, wo die Welt noch eist, ein Sturm,
der jetzt noch durch die Gas­sen braust und der den Din­gen alle Bür­de von ihren Schul­tern nimmt, -
daß Etwas drau­ßen groß ist und ergrimmt, daß drau­ßen die Gewalt geht,
eine Faust, die jeden von den Kran­ken wür­gen wür­de inmit­ten die­ses Glan­zes, dem sie glau­ben. -
…… Wie lan­ge Näch­te in ver­welk­ten Lau­ben, die schon zer­ris­sen sind auf allen Sei­ten
und viel zu weit, um noch mit einem Zwei­ten, den man sehr liebt, zusam­men drin zu wei­nen, -
wie nack­te Mäd­chen, kom­mend über Stei­ne, wie Trun­ke­ne in einem Bir­ken­hai­ne, -
wie Wor­te, wel­che nichts Bestimm­tes mei­nen und den­noch gehn,
ins Ohr hin­ein­gehn, wei­ter ins Hirn und heim­lich auf der Ner­ven­lei­ter durch alle Glie­der Sprung um Sprung ver­su­chen, -
wie Grei­se, wel­che ihr Geschlecht ver­flu­chen und dann verster­ben,
so daß kei­ner je abwen­den könn­te das ver­häng­te Weh,
wie vol­le Rosen, künst­lich auf­ge­zo­gen im blau­en Treib­haus,
wo die Lüf­te logen, und dann vom Über­mut in gro­ßem Bogen hin­aus­ge­streut in den ver­weh­ten Schnee, -
wie eine Erde, die nicht krei­sen kann, weil zuviel Tote ihr Gefühl beschwe­ren,
wie ein erschla­ge­ner ver­scharr­ter Mann, dem sich die Hän­de gegen Wur­zeln weh­ren, -
wie eine von den hohen, schlan­ken, roten Hoch­som­mer­blu­men,
wel­che uner­löst ganz plötz­lich stirbt im Lieb­lings­wind der Wie­sen,
weil ihre Wur­zel unten an Tür­ki­sen im Ohr­ge­hän­ge einer Toten stößt….
Und man­cher Tage Stun­den waren so.
Als form­te wer mein Abbild irgend­wo, um es mit Nadeln lang­sam zu miß­han­deln.
Ich spür­te jede Spit­ze sei­ner Spie­le, und war, als ob ein Regen auf mich fie­le, in wel­chem alle Din­ge sich verwandeln.

Die Stim­men

Neun Blät­ter mit einem Titelblatt

Die Rei­chen und Glück­li­chen haben gut schwei­gen, nie­mand will wis­sen was sie sind.
Aber die Dürf­ti­gen müs­sen sich zei­gen, müs­sen sagen: ich bin blind
oder: ich bin im Begriff es zu wer­den
oder: es geht mir nicht gut auf Erden
oder: ich habe ein kran­kes Kind
oder: da bin ich zusam­men­ge­fügt…
Und viel­leicht, daß das gar nicht genügt.
Und weil alle sonst, wie an Din­gen, an ihnen vor­bei­gehn, müs­sen sie sin­gen.
Und da hört man noch guten Gesang.
Frei­lich die Men­schen sind selt­sam; sie hören lie­ber Kas­tra­ten in Kna­ben­chö­ren.
Aber Gott sel­ber kommt und bleibt lang wenn ihn die­se Beschnit­te­nen stören.

Das Lied des Bettlers

Ich gehe immer von Tor zu Tor, ver­reg­net und ver­brannt;
auf ein­mal leg ich mein rech­tes Ohr in mei­ne rech­te Hand.
Dann kommt mir mei­ne Stim­me vor als hätt ich sie nie gekannt.
Dann weiß ich nicht sicher wer da schreit, ich oder irgend­wer.
Ich schreie um eine Klei­nig­keit. Die Dich­ter schrein um mehr.
Und end­lich mach ich noch mein Gesicht mit bei­den Augen zu;
wie’s dann in der Hand liegt mit sei­nem Gewicht sieht es fast aus wie Ruh.
Damit sie nicht mei­nen ich hät­te nicht, wohin ich mein Haupt tu.

Das Lied des Blinden

Ich bin blind, ihr drau­ßen, das ist ein Fluch, ein Wider­wil­len, ein Wider­spruch, etwas täg­lich Schwe­res.
Ich leg mei­ne Hand auf den Arm der Frau, mei­ne graue Hand auf ihr grau­es Grau, und sie führt mich durch lau­ter Lee­res.
Ihr rührt euch und rückt und bil­det euch ein anders zu klin­gen als Stein auf Stein,
aber ihr irrt euch: ich allein lebe und lei­de und lär­me.
In mir ist ein end­lo­ses Schrein und ich weiß nicht, schreit mir mein Herz oder mei­ne Gedär­me.
Erkennt ihr die Lie­der? Ihr san­get sie nicht nicht ganz in die­ser Beto­nung.
Euch kommt jeden Mor­gen das neue Licht warm in die offe­ne Woh­nung.
Und ihr habt ein Gefühl von Gesicht zu Gesicht und das ver­lei­tet zur Schonung.

Das Lied des Trinkers

Es war nicht in mir. Es ging aus und ein. Da wollt ich es hal­ten.
Da hielt es der Wein. (Ich weiß nicht mehr was es war.)
Dann hielt er mir jenes und hielt mir dies bis ich mich ganz auf ihn ver­ließ.
Ich Narr.
Jetzt bin ich in sei­nem Spiel und er streut mich ver­ächt­lich her­um und ver­liert mich noch heut an die­ses Vieh, an den Tod.
Wenn der mich, schmut­zi­ge Kar­te, gewinnt, so kratzt er mit mir sei­nen grau­en Grind und wirft mich fort in den Kot.

Das Lied des Selbstmörders

Also noch einen Augen­blick. Daß sie mir immer wie­der den Strick zer­schnei­den.
Neu­lich war ich so gut bereit und es war schon ein wenig Ewig­keit in mei­nen Ein­ge­wei­den.
Hal­ten sie mir den Löf­fel her, die­sen Löf­fel Leben.
Nein ich will und ich will nicht mehr, laßt mich mich über­ge­ben.
Ich weiß das Leben ist gar und gut und die Welt ist ein vol­ler Topf, aber mir geht es nicht ins Blut, mir steigt es nur zu Kopf.
Ande­re nährt es, mich macht es krank; begreift, daß man’s ver­schmäht.
Min­des­tens ein Jahr­tau­send lang brauch ich jetzt Diät.

Das Lied des Idioten

Sie hin­dern mich nicht. Sie las­sen mich gehn. Sie sagen es kön­ne nichts geschehn.
Wie gut. Es kann nichts geschehn.
Alles kommt und kreist immer­fort um den hei­li­gen Geist, um den gewis­sen Geist (du weißt) -, wie gut.
Nein man muss wirk­lich nicht mei­nen es sei irgend eine Gefahr dabei.
Da ist frei­lich das Blut. Das Blut ist das Schwers­te. Das Blut ist schwer.
Manch­mal glaub ich, ich kann nicht mehr -. (Wie gut.)
Ah was ist das für ein schö­ner Ball rot und rund wie ein Über­all.
Gut, dass ihr ihn erschuft. Ob der wohl kommt wenn man ruft?
Wie sich das alles selt­sam benimmt, inein­an­der­treibt, aus­ein­an­der­schwimmt: freund­lich, ein wenig unbe­stimmt.
Wie gut.

Das Lied der Waise

Ich bin Nie­mand und wer­de auch Nie­mand sein.
Jetzt bin ich ja zum Sein noch zu klein; aber auch spä­ter.
Müt­ter und Väter, erbarmt euch mein. Zwar es lohnt nicht des Pfle­gens Müh: ich wer­de doch gemäht.
Mich kann kei­ner brau­chen: jetzt ist es zu früh und mor­gen ist es zu spät.
Ich habe nur die­ses eine Kleid, es wird dünn und es ver­bleicht, aber es hält eine Ewig­keit auch noch vor Gott viel­leicht.
Ich habe nur die­ses biß­chen Haar (immer das­sel­be blieb), das ein­mal Eines Liebs­tes war.
Nun hat er nichts mehr lieb.

Das Lied des Zwerges

Mei­ne See­le ist viel­leicht grad und gut;‚aber mein Herz, mein ver­bo­ge­nes Blut, alles das, was mir wehe tut, kann sie nicht auf­recht tra­gen.
Sie hat kei­nen Gar­ten, sie hat kein Bett, sie hängt an mei­nem schar­fen Ske­lett mit ent­setz­tem Flü­gel­schla­gen.
Aus mei­nen Hän­den wird auch nichts mehr.
Wie ver­küm­mert sie sind: sieh her: zähe hüp­fen sie, feucht und schwer, wie klei­ne Krö­ten nach Regen.
Und das And­re an mir ist abge­tra­gen und alt und trist;
war­um zögert Gott, auf den Mist alles das hin­zu­le­gen.
Ob er mir zürnt für mein Gesicht mit dem mür­ri­schen Mun­de?
Es war ja so oft bereit, ganz licht und klar zu wer­den im Grun­de;
aber nichts kam ihm je so dicht wie die gro­ßen Hun­de. Und die Hun­de haben das nicht.

Das Lied des Aussätzigen

Sieh ich bin einer, den alles ver­las­sen hat. Kei­ner weiß in der Stadt von mir, Aus­satz hat mich befal­len.
Und ich schla­ge mein Klap­per­werk, klop­fe mein trau­ri­ges Augen­merk in die Ohren allen die nahe vor­über­gehn.
Und die es höl­zern hören, sehn erst gar nicht her, und was hier geschehn wol­len sie nicht erfah­ren.
Soweit der Klang mei­ner Klap­per reicht bin ich zuhau­se;
aber viel­leicht machst Du mei­ne Klap­per so laut, daß sich kei­ner in mei­ne Fer­ne traut der mir jetzt aus der Nähe weicht.
So daß ich sehr lan­ge gehen kann ohne Mäd­chen, Frau oder Mann oder Kind zu ent­de­cken.
Tie­re will ich nicht schrecken.

Ende des Gedicht-Krei­ses »Die Stimmen«

Der Schau­en­de

Ich sehe den Bäu­men die Stür­me an, die aus lau­ge­wor­de­nen Tagen an mei­ne ängst­li­chen Fens­ter schla­gen,
und höre die Fer­nen Din­ge sagen, die ich nicht ohne Freund ertra­gen, nicht ohne Schwes­ter lie­ben kann.
Da geht der Sturm, ein Umge­stal­ter, geht durch den Wald und durch die Zeit,
und alles ist wie ohne Alter: die Land­schaft, wie ein Vers im Psal­ter, ist Ernst und Wucht und Ewig­keit.
Wie ist das klein, womit wir rin­gen, was mit uns ringt, wie ist das groß;
lie­ßen wir, ähn­li­cher den Din­gen, uns so vom gro­ßen Sturm bezwin­gen,
- wir wür­den weit und namen­los. Was wir besie­gen, ist das Klei­ne, und der Erfolg selbst macht uns klein.
Das Ewi­ge und Unge­mei­ne will nicht von uns gebo­gen sein.
Das ist der Engel, der den Rin­gern des Alten Tes­ta­ments erschien:
wenn sei­ner Wider­sa­cher Seh­nen im Kamp­fe sich metal­len deh­nen, fühlt er sie unter sei­nen Fin­gern wie Sai­ten tie­fer Melo­dien.
Wen die­ser Engel über­wand, wel­cher so oft auf Kampf ver­zich­tet,
der geht gerecht und auf­ge­rich­tet und groß aus jener har­ten Hand, die sich, wie for­mend, an ihn schmieg­te.
Die Sie­ge laden ihn nicht ein. Sein Wachs­tum ist: der Tief­be­sieg­te von immer Grö­ße­rem zu sein.

Aus einer Sturmnacht

Acht Blät­ter mit einem Titelblatt

Die Nacht, vom wach­sen­den Stur­me bewegt, wie wird sie auf ein­mal weit – ‚
als blie­be sie sonst zusam­men­ge­legt in die klein­li­chen Fal­ten der Zeit.
Wo die Ster­ne ihr weh­ren, dort endet sie nicht und beginnt nicht mit­ten im Wald
und nicht an mei­nem Ange­sicht und nicht mit dei­ner Gestalt.
Die Lam­pen stam­meln und wis­sen nicht: lügen wir Licht? Ist die Nacht die ein­zi­ge Wirk­lich­keit seit Jahr­tau­sen­den…

Aus einer Sturm­nacht I
In sol­chen Näch­ten kannst du in den Gas­sen Zukünf­ti­gen begeg­nen,
schma­len blas­sen Gesich­tern, die dich nicht erken­nen und dich schwei­gend vor­über­las­sen.
Aber wenn sie zu reden begän­nen, wärst du ein Lan­ge­ver­gan­ge­ner wie du da stehst, lan­ge­ver­west.
Doch sie blei­ben im Schwei­gen wie Tote, obwohl sie die Kom­men­den sind. Zukunft beginnt noch nicht.
Sie hal­ten nur ihr Gesicht in die Zeit und kön­nen, wie unter Was­ser, nicht schau­en;
und ertra­gen sie’s doch eine Wei­le, sehn sie wie unter den Wel­len: die Eile von Fischen und das Tau­chen von Tauen.

Aus einer Sturm­nacht II
In sol­chen Näch­ten gehn die Gefäng­nis­se auf.
Und durch die bösen Träu­me der Wäch­ter gehn mit lei­sem Geläch­ter die Ver­äch­ter ihrer Gewalt. Wald!
Sie kom­men zu dir, um in dir zu schla­fen, mit ihren lan­gen Stra­fen behan­gen. Wald!

Aus einer Sturm­nacht III
In sol­chen Näch­ten ist auf ein­mal Feu­er in einer Oper.
Wie ein Unge­heu­er beginnt der Rie­sen­raum mit sei­nen Rän­gen Tau­sen­de, die sich in ihm drän­gen, zu kau­en.
Män­ner und Frau­en stau­en sich in den Gän­gen, und wie sich alle anein­an­der hän­gen, bricht das Gemäu­er, und es reißt sie mit.
Und nie­mand weiß mehr wer ganz unten litt;
wäh­rend ihm einer schon das Herz zer­tritt, sind sei­ne Ohren noch ganz voll von Klän­gen, die dazu hingehn…

Aus einer Sturm­nacht IV

In sol­chen Näch­ten, wie vor vie­len Tagen, fan­gen die Her­zen in den Sar­ko­pha­gen ver­gang­ner Fürs­ten wie­der an zu gehn;
und so gewal­tig drängt ihr Wie­der­schla­gen gegen die Kap­seln, wel­che wider­stehn,
daß sie die gold­nen Scha­len wei­ter­tra­gen durch Dun­kel und Damas­te, die zer­fal­len.
Schwarz schwankt der Dom mit allen sei­nen Hal­len.
Die Glo­cken, die sich in die Tür­me kral­len, hän­gen wie Vögel, bebend stehn die Türen, und an den Trä­gern zit­tert jedes Glied:
als trü­gen sei­nen grün­den­den Gra­nit blin­de Schild­krö­ten, die sich rühren.

Aus einer Sturm­nacht V
In sol­chen Näch­ten wis­sen die Unheil­ba­ren: wir waren…
Und sie den­ken unter den Kran­ken einen ein­fa­chen guten Gedan­ken wei­ter, dort, wo er abbrach.
Doch von den Söh­nen, die sie gelas­sen, geht der Jüngs­te viel­leicht in den ein­sams­ten Gas­sen;
denn gera­de die­se Näch­te sind ihm als ob er zum ers­ten Mal däch­te: lan­ge lag es über ihm blei­ern,
aber jetzt wird sich alles ent­schlei­ern -, und: daß er das fei­ern wird, fühlt er…

Aus einer Sturm­nacht VI
In sol­chen Näch­ten sind alle die Städ­te gleich, alle beflaggt.
Und an den Fah­nen vom Sturm gepackt und wie an Haa­ren hin­aus­ge­ris­sen in irgend ein Land mit unge­wis­sen Umris­sen und Flüs­sen.
In allen Gär­ten ist dann ein Teich, an jedem Tei­che das­sel­be Haus, in jedem Hau­se das­sel­be Licht;
und alle Men­schen sehn ähn­lich aus und hal­ten die Hän­de vorm Gesicht.

Aus einer Sturm­nacht VII
In sol­chen Näch­ten wer­den die Ster­ben­den klar, grei­fen sich lei­se ins wach­sen­de Haar,
des­sen Hal­me aus ihres Schä­dels Schwä­che in die­sen lan­gen Tagen trei­ben, als woll­ten sie über der Ober­flä­che des Todes blei­ben.
Ihre Gebär­de geht durch das Haus als wenn über­all Spie­gel hin­gen;
und sie geben – mit die­sem Gra­ben in ihren Haa­ren – Kräf­te aus, die sie in Jah­ren gesam­melt haben, wel­che vergingen.

Aus einer Sturm­nacht VIII
In sol­chen Näch­ten wächst mein Schwes­ter­lein, das vor mir war und vor mir starb, ganz klein.
Viel sol­che Näch­te waren schon seit­her: Sie muß schon schön sein. Bald wird irgend­wer sie frein.

Von den Fontänen

Auf ein­mal weiß ich viel von den Fon­tä­nen, den unbe­greif­li­chen Bäu­men aus Glas.
Ich könn­te reden wie von eig­nen Trä­nen, die ich, ergrif­fen von sehr gro­ßen Träu­men, ein­mal ver­geu­de­te und dann ver­gaß.
Ver­gaß ich denn, daß Him­mel Hän­de rei­chen zu vie­len Din­gen und in das Gedrän­ge?
Sah ich nicht immer Groß­heit ohne­glei­chen im Auf­stieg alter Par­ke, vor den wei­chen erwar­tungs­vol­len Aben­den,
in blei­chen aus frem­den Mäd­chen stei­gen­den Gesän­gen,
die über­flie­ßen aus der Melo­die und wirk­lich wer­den und als müß­ten sie sich spie­geln in den auf­ge­ta­nen Tei­chen?
Ich muß mich nur erin­nern an das Alles, was an Fon­tä­nen und an mir geschah,
dann fühl ich auch die Last des Nie­der­fal­les, in wel­cher ich die Was­ser wie­der­sah:
Und weiß von Zwei­gen, die sich abwärts wand­ten, von Stim­men, die mit klei­ner Flam­me brann­ten, von Tei­chen,
wel­che nur die Ufer­kan­ten schwach­sin­nig und ver­scho­ben wie­der­hol­ten, von Abend­him­meln,
wel­che von ver­kohl­ten west­li­chen Wäl­dern ganz ent­frem­det tra­ten sich anders wölb­ten, dun­kel­ten
und taten als wär das nicht die Welt, die sie gemeint…
Ver­gaß ich denn, daß Stern bei Stern verst­eint und sich ver­schließt gegen die Nach­barglo­ben?
Daß sich die Wel­ten nur noch wie ver­weint im Raum erken­nen?
Viel­leicht sind wir oben, in Him­mel and­rer Wesen ein­ge­wo­ben, die zu uns auf­schaun abends.
Viel­leicht loben uns ihre Dich­ter.
Viel­leicht beten vie­le zu uns empor.
Viel­leicht sind wir die Zie­le von frem­den Flü­chen,
die uns nie errei­chen, Nach­ba­ren eines Got­tes, den sie mei­nen in uns­rer Höhe,
wenn sie ein­sam wei­nen, an den sie glau­ben und den sie ver­lie­ren,
und des­sen Bild­nis, wie ein Schein aus ihren suchen­den Lam­pen, flüch­tig und ver­weht über unse­re zer­streu­ten Gesich­ter geht….

Der Lesen­de

Ich las schon lang. Seit die­ser Nach­mit­tag, mit Regen rau­schend, an den Fens­tern lag.
Vom Win­de drau­ßen hör­te ich nichts mehr: mein Buch war schwer.
Ich sah ihm in die Blät­ter wie in Mie­nen, die dun­kel wer­den von Nach­denk­lich­keit, und um mein Lesen stau­te sich die Zeit.
Auf ein­mal sind die Sei­ten über­schie­nen, und statt der ban­gen Wort­ver­wor­ren­heit steht:
Abend, Abend… über­all auf ihnen.
Ich schau noch nicht hin­aus, und doch zer­rei­ßen die lan­gen Zei­len, und die Wor­te rol­len von ihren Fäden fort, wohin sie wol­len…
Da weiß ich es: über den über­vol­len glän­zen­den Gär­ten sind die Him­mel weit; die Son­ne hat noch ein­mal kom­men sol­len.
Und jetzt wird Som­mer­nacht, soweit man sieht:
zu wenig Grup­pen stellt sich das Ver­streu­te, dun­kel, auf lan­gen Wegen, gehn die Leu­te,
und selt­sam weit, als ob es mehr bedeu­te, hört man das Weni­ge, das noch geschieht.
Und wenn ich jetzt vom Buch die Augen hebe, wird nichts befremd­lich sein und alles groß.
Dort drau­ßen ist, was ich hier drin­nen lebe, und hier und dort ist alles gren­zen­los;
nur daß ich mich noch mehr damit ver­we­be, wenn mei­ne Bli­cke an die Din­ge pas­sen und an die erns­te Ein­fach­heit der Mas­sen,
da wächst die Erde über sich hin­aus.
Den gan­zen Him­mel scheint sie zu umfas­sen: der ers­te Stern ist wie das letz­te Haus.

Die Blin­de

DER FREMDE: Du bist nicht bang, davon zu spre­chen?
DIE BLINDE: Nein. Es ist so fer­ne. Das war eine and­re. Die damals sah, die laut und schau­end leb­te, die starb.
DER FREMDE: Und hat­te einen schwe­ren Tod?
DIE BLINDE: Ster­ben ist Grau­sam­keit an Ahnungs­lo­sen. Stark muß man sein, sogar wenn Frem­des stirbt.
DER FREMDE: Sie war dir fremd?
DIE BLINDE: – Oder: sie ists gewor­den. Der Tod ent­frem­det selbst dem Kind die Mut­ter.
Doch es war schreck­lich in den ers­ten Tagen.
Am gan­zen Lei­be war ich wund.
Die Welt, die in den Din­gen blüht und reift, war mit den Wur­zeln aus mir aus­ge­ris­sen, mit mei­nem Her­zen (schien mir),
und ich lag wie auf­ge­wühl­te Erde offen da und trank den kal­ten Regen mei­ner Trä­nen,
der aus den toten Augen unauf­hör­lich und lei­se ström­te, wie aus lee­ren Him­meln, wenn Gott gestor­ben ist, die Wol­ken lal­len.
und mein Gehör war groß und allem offen.
Ich hör­te Din­ge, die nicht hör­bar sind: die Zeit, die über mei­ne Haa­re floß, die Stil­le, die in zar­ten Glä­sern klang,
und fühl­te: nah bei mei­nen Hän­den ging der Atem einer gro­ßen wei­ßen Rose.
Und immer wie­der dacht ich: Nacht und: Nacht und glaub­te einen hel­len Streif zu sehn,
der wach­sen wür­de wie ein Tag; und glaub­te auf den Mor­gen zuzu­gehn, der längst in mei­nen Hän­den lag.
Die Mut­ter weckt ich, wenn der Schlaf mir schwer hin­un­ter­fiel vom dunk­len Gesicht,
der Mut­ter rief ich: »Du, komm her! Mach Licht!« Und horch­te.
Lan­ge, lan­ge blieb es still, und mei­ne Kis­sen fühl­te ich ver­stei­nen,
dann wars, als säh ich etwas schei­nen: das war der Mut­ter wehes Wei­nen, an das ich nicht mehr den­ken will.
Mach Licht! Mach Licht! Ich schrie es oft im Traum: Der Raum ist ein­ge­fal­len.
Nimm den Raum mir vom Gesicht und von der Brust.
Du mußt ihn heben, hoch­he­ben, mußt ihn wie­der den Ster­nen geben; ich kann nicht leben so, mit dem Him­mel auf mir.
Aber sprech ich zu dir, Mut­ter? Oder zu wem denn?
Wer ist denn dahin­ter? Wer ist denn hin­ter dem Vor­hang? – Win­ter? Mut­ter: Sturm? Mut­ter: Nacht? Sag! Oder: Tag?…….Tag!
Ohne mich! Wie kann es denn ohne mich Tag sein? Fehl ich denn nir­gends?
Fragt denn nie­mand nach mir? Sind wir denn ganz ver­ges­sen?
Wir?…….Aber du bist ja dort; du hast ja noch alles, nicht?
Um dein Gesicht sind noch alle Din­ge bemüht, ihm wohl­zu­tun.
Wenn dei­ne Augen ruhn und wenn sie noch so müd waren, sie kön­nen wie­der stei­gen.
… Mei­ne schwei­gen. Mei­ne Blu­men wer­den die Far­be ver­lie­ren.
Mei­ne Spie­gel wer­den zufrie­ren. In mei­nen Büchern wer­den die Zei­len ver­wach­sen.
Mei­ne Vögel wer­den in den Gas­sen her­um­flat­tern und sich an frem­den Fens­tern ver­wun­den.
Nichts ist mehr mit mir ver­bun­den. Ich bin von allem ver­las­sen. – Ich bin eine Insel.
DER FREMDE: Und ich bin über das Meer gekom­men.
DIE BLINDE: Wie? Auf die Insel?… Her­ge­kom­men?
DER FREMDE: Ich bin noch im Kah­ne. Ich habe ihn lei­se ange­legt – an dich. Er ist bewegt: sei­ne Fah­ne weht land­ein.
DIE BLINDE: Ich bin eine Insel und allein. Ich bin reich.
Zuerst, als die alten Wege noch waren in mei­nen Ner­ven, aus­ge­fah­ren von vie­lem Gebrauch: da litt ich auch.
Alles ging mir aus dem Her­zen fort, ich wuß­te erst nicht wohin;
aber dann fand ich sie alle dort, alle Gefüh­le, das, was ich bin, stand ver­sam­melt
und dräng­te und schrie an den ver­mau­er­ten Augen, die sich nicht rühr­ten.
Alle mei­ne ver­führ­ten Gefüh­le… Ich weiß nicht, ob sie Jah­re so stan­den,
aber ich weiß von den Wochen, da sie alle zurück­ka­men gebro­chen und nie­man­den erkann­ten.
Dann wuchs der Weg zu den Augen zu. Ich weiß ihn nicht mehr.
Jetzt geht alles in mir umher, sicher und sorg­los;
wie Gene­sen­de gehn die Gefüh­le, genie­ßend das Gehn, durch mei­nes Lei­bes dunk­les Haus.
Eini­ge sind Lesen­de über Erin­ne­run­gen; aber die jun­gen sehn alle hin­aus.
Denn wo sie hin­tre­ten an mei­nen Rand, ist mein Gewand von Glas.
Mei­ne Stir­ne sieht, mei­ne Hand las Gedich­te in ande­ren Hän­den.
Mein Fuß spricht mit den Stei­nen, die er betritt, mei­ne Stim­me nimmt jeder Vogel mit aus den täg­li­chen Wän­den.
Ich muß nichts mehr ent­beh­ren jetzt, alle Far­ben sind über­setzt in Geräusch und Geruch.
Und sie klin­gen unend­lich schön als Töne. Was soll mir ein Buch?
In den Bäu­men blät­tert der Wind; und ich weiß, was dor­ten für Wor­te sind, und wie­der­ho­le sie manch­mal leis.
Und der Tod, der Augen wie Blu­men bricht, fin­det mei­ne Augen nicht…..
DER FREMDE lei­se: Ich weiß.

Requi­em

Cla­ra West­hoff gewidmet

Seit einer Stun­de ist um ein Ding mehr auf Erden. Mehr um einen Kranz.
Vor einer Wei­le war das leich­tes Laub… Ich wands:
Und jetzt ist die­ser Efeu selt­sam schwer und so von Dun­kel voll, als trän­ke er aus mei­nen Din­gen zukünf­ti­ge Näch­te.
Jetzt graut mir fast vor die­ser nächs­ten Nacht,
allein mit die­sem Kranz, den ich gemacht, nicht ahnend, daß da etwas wird, wenn sich die Ran­ken rün­den um den Rei­fen;
ganz nur bedürf­tig, die­ses zu begrei­fen: daß etwas nicht mehr sein kann.
Wie ver­irrt in nie betre­te­ne Gedan­ken, dar­in­nen wun­der­li­che Din­ge stehn, die ich schon ein­mal gese­hen haben muß…
.… Fluß­ab­wärts trei­ben die Blu­men, wel­che die Kin­der geris­sen haben im Spiel;
aus den offe­nen Fin­gern fiel eine und eine, bis daß der Strauß nicht mehr zu erken­nen war.
Bis der Rest, den sie nach­haus gebracht, gera­de gut zum Ver­bren­nen war.
Dann konn­te man ja die gan­ze Nacht, wenn einen alle schla­fen mei­nen, um die gebro­che­nen Blu­men wei­nen.
Gre­tel, von allem Anbe­ginn war dir bestimmt, sehr zei­tig zu ster­ben, blond zu ster­ben.
Lan­ge schon, eh dir zu leben bestimmt war.
Dar­um stell­te der Herr eine Schwes­ter vor dich und dann einen Bru­der,
damit vor dir wären zwei Nahe, zwei Rei­ne, wel­che das Ster­ben dir zeig­ten, das dei­ne: dein Sterben.Deine Geschwis­ter wur­den erfun­den.
nur, damit du dich dran gewöhn­test,
und dich an zwei­en Ster­be­stun­den mit der drit­ten ver­söhn­test, die dir seit Jahr­tau­sen­den droht.
Für dei­nen Tod sind Leben erstan­den;
Hän­de, wel­che Blü­ten ban­den, Bli­cke, wel­che die Rosen rot und die Men­schen mäch­tig emp­fan­den,
hat man gebil­det und wie­der ver­nich­tet und hat zwei­mal das Ster­ben gedich­tet,
eh es, gegen dich selbst gerich­tet, aus der ver­lo­sche­nen Büh­ne trat.
… Nah­te es dir schreck­lich, gelieb­te Gespie­lin? war es dein Feind? Hast du dich ihm ans Herz geweint?
Hat es dich aus den hei­ßen Kis­sen in die fla­ckern­de Nacht geris­sen, in der nie­mand schlief im gan­zen Haus…?
Wie sah es aus? Du mußt es wis­sen. Du bist dazu in die Hei­mat gereist.
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Du weißt wie die Man­deln blühn und daß See­en blau sind.
Vie­le Din­ge, die nur im Gefüh­le der Frau sind wel­che die ers­te Lie­be erfuhr, – weißt du.
Dir flüs­ter­te die Natur in des Südens spät­däm­mern­den Tagen so unend­li­che Schön­heit ein,
wie sonst nur seli­ge Lip­pen sie sagen seli­ger Men­schen, die zu zwein eine Welt haben und eine Stim­me
- lei­ser hast du das alles gespürt, – (o wie hat das unend­lich Grim­me dei­ne unend­li­che Demut berührt).
Dei­ne Brie­fe kamen von Süden, warm noch von Son­ne, aber ver­waist,
- end­lich bist du selbst dei­nen müden bit­ten­den Brie­fen nach­ge­reist;
denn du warst nicht ger­ne im Glan­ze, jede Far­be lag auf dir wie Schuld, und du leb­test in Unge­duld,
denn du wuß­test: das ist nicht das Gan­ze. Leben ist nur ein Teil.….…. Wovon?
Leben ist nur ein Ton.….…. Wor­in? Leben hat Sinn nur, ver­bun­den mit vie­len Krei­sen des weit­hin wach­sen­den Rau­mes,
- Leben ist so nur der Traum eines Trau­mes, aber Wach­sein ist anders­wo.
So lie­ßest du’s los. Groß lie­ßest du’s los. Und wir kann­ten dich klein.

Dein war so wenig: ein Lächeln, ein klei­nes, ein biß­chen melan­cho­lisch schon immer, sehr sanf­tes Haar
und ein klei­nes Zim­mer, das dir seit dem Tode der Schwes­ter weit­war.
Als ob alles ande­re nur dein Kleid war so scheint es mir jetzt, du stil­les Gespiel.
Aber sehr viel warst du.
Und wir wuß­tens manch­mal, wenn du am Abend kamst in den Saal; wuß­ten manch­mal:
jetzt müß­te man beten; eine Men­ge ist ein­ge­tre­ten, eine Men­ge, wel­che dir nach­geht, weil du den Weg weißt.
Und du hast ihn wis­sen gemußt und hast ihn gewußt ges­tern… jüngs­te der Schwes­tern.
Sieh her, die­ser Kranz ist so schwer. Und sie wer­den ihn auf dich legen, die­sen schwe­ren Kranz. Kanns dein Sarg aus­hal­ten?
Wenn er bricht unter dem schwar­zen Gewicht, kriecht in die Fal­ten von dei­nem Kleid Efeu.
Weit rankt er hin­auf, rings rankt er dich um, und der Saft, der sich in sei­nen Ran­ken bewegt, regt dich auf mit sei­nem Geräusch;
so keusch bist du. Aber du bist nicht­mehr zu. Lang­ge­dehnt bist du und laß.
Dei­nes Lei­bes Türen sind ange­lehnt, und naß tritt der Efeu ein…
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wie Reihn von Non­nen, die sich füh­ren an schwar­zem Seil, weil es dun­kel ist in dir, du Bron­nen.
In den lee­ren Gän­gen dei­nes Blu­tes drän­gen sie zu dei­nem Her­zen;
wo sonst dei­ne sanf­ten Schmer­zen sich begeg­ne­ten mit blei­chen Freu­den und Erin­ne­run­gen,
- wan­deln sie, wie im Gebet, in das Herz, das, ganz ver­klun­gen, dun­kel, allen offen steht.
Aber die­ser Kranz ist schwer mir im Licht, nur unter Leben­den, hier bei mir;
und sein Gewicht ist nicht mehr wenn ich ihn, zu dir legen wer­de. Die Erde ist vol­ler Gleich­ge­wicht, Dei­ne Erde.
Er ist schwer von mei­nen Augen, die dar­an hän­gen, schwer von den Gän­gen, die ich um ihn getan;
Ängs­te aller, wel­che ihn sahn, haf­ten dar­an. Nimm ihn zu dir, denn er ist dein seit er ganz fer­tig ist.
Nimm ihn von mir. Laß mich allein! Er ist wie ein Gast… fast schäm ich mich sei­ner. Hast du auch Furcht, Gre­tel?
Du kannst nicht mehr gehn? Kannst nicht mehr bei mir in der Stu­be stehn? Tun dir die Füße weh?
So bleib wo jetzt alle bei­sam­men sind, man wird ihn dir mor­gen brin­gen, mein Kind, durch die ent­laub­te Allee.
Man wird ihn dir brin­gen, war­te getrost, – man bringt dir mor­gen noch mehr.
Wenn es auch mor­gen tobt und tost, das scha­det den Blu­men nicht sehr. Man wird sie dir bringen.Du hast das Recht, sie sicher zu haben, mein Kind, und wenn sie auch mor­gen schwarz und schlecht und lan­ge ver­gan­gen sind.
Sei des­halb nicht ban­ge. Du wirst nicht mehr unter­schei­den, was steigt oder sinkt;
die Far­ben sind zu und die Töne sind leer, und du wirst auch gar nicht mehr wis­sen, wer dir alle die Blu­men bringt.
Jetzt weißt du das And­re, das uns ver­stößt, so oft wir’s im Dun­kel erfaßt;
von dem, was du sehn­test, bist du erlöst zu etwas, was du hast.
Unter uns warst du von klei­ner Gestalt, viel­leicht bist du jetzt ein erwach­se­ner Wald mit Win­den und Stim­men im Laub.
- Glaub mir, Gespiel, dir geschah nicht Gewalt: Dein Tod war schon alt, alt dein Leben begann;
drum griff er es an, damit es ihn nicht über­leb­te.
.….….….….….… Schweb­te etwas um mich? Trat Nacht­wind her­ein? Ich beb­te nicht. Ich bin stark und allein.
- Was hab ich heu­te geschafft?
.…Efeu­laub holt ich am Abend und wands und bog es zusam­men, bis es ganz gehorch­te.
Noch glänzt es mit schwar­zem Glanz. Und mei­ne Kraft kreist in dem Kranz.

Schluss­stück

Der Tod ist groß.

Wir sind die Sei­nen lachen­den Munds.

Wenn wir uns mit­ten im Leben mei­nen, wagt er zu wei­nen mit­ten in uns.

YIN YANG GOLD