Rudolf Steiner

Dies ist meine Rudolf Steiner Zitatensammlung.
Ich habe viele Bücher mit den inspirierenden Vorträgen von Rudolf Steiner gelesen und mir immer mal Notizen gemacht.
Rudolf Steiner hat so viele Worte, so viele Sätze, so viele Inhalte, ellenlange Posts, ein unbeschreibliches Reservoire von Wissen produziert, dass immer wieder neue Aspekte zu Tage fördert.
Hier ist das, was mich erreicht hat.

Die Verbindung des Ätherleibes mit dem Kopf des Menschen

„Es muss eine Zeit kommen – so sagten sich die Eingeweihten, welche die Zeichen der Zeit kannten -, wo dieses alte Weisheitsgut so versiegt sein wird innerhalb der Menschheit, dass diese Weisheit den Menschen nicht mehr führen und lenken kann. Dann aber würde der Mensch in der Welt in Unsicherheit fallen. Das würde sich ausdrücken in seinem Wollen, in seinem Handeln und seinem Fühlen.

Und indem nach und nach die Weisheit ersterben würde, würden die Menschen unweise sich selbst führen. Ihr Ich würde immer mehr und mehr zunehmen, so dass, wenn die Weisheit sich zurückzöge, ein jeder anfinge, in seinem eigenen Ich nach der Wahrheit zu suchen, seine eigenen Gefühle zu entwickeln, seinen Willen zu entwickeln, ein jeder für sich, und die Menschen würden immer mehr und mehr gesondert, immer fremder einander, und immer weniger würden sie sich verstehen.

Weil ein jeder seine eigenen Gedanken haben will, die ihm nicht zufließen von der einheitlichen Weisheit, so kann der eine nicht die Gedanken des anderen verstehen. Und weil seine Gefühle nicht geleitet werden von der einheitlichen Weisheit, so wird es dahin kommen, dass sich widerstreben die Gefühle der Menschen. Und ebenso würde es sein mit ihren Handlungen.

Die Menschen würden alle gegeneinander handeln, denken und fühlen, und es würde die Menschheit zersplittert werden zuletzt in lauter gegeneinander in Streit stehende Individuen.“

Rudolf Steiner am 05.07.1909 in der
GA 112 („Das Johannes-Evangelium“),
S. 222 ff.

Kommentar

Er hat nicht gesagt, dass die Naturwissenschaften Falsches sagen. Steiner drückt nur ziemlich krass die Relativität von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen aus. Und wenn er sagt, in den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen lebt ein Gespenst, dann meint er das wörtlich! Wenn man das Gespenst aus diesen Erkenntnissen vertreibt, wird die Wahrheit sichtbar.

Umarmung

Die Quantenphysik beweist ja heutzutage die Annahme der Relativität.


Der Christus kann nicht mit dem Verstand erfasst werden.

„Denn eines erfuhren die alten Eingeweihten mit voller Bewusstheit: sie wussten, Weisheit ist nicht bloß etwas abstrakt im Menschen Lebendes, Weisheit ist Licht im Menschen, indem der Mensch denkt, sich innerlich Bilder macht.

Denn dasselbe, was da im Menschen innerlich die Bilder sind, das ist äußerlich das Licht, das belebt. Unsere Begriffe können kein Licht schaffen – so etwa sagten sich diese Eingeweihten -, daher haben sie selber die Form des Todes in Anspruch genommen, daher sind sie tot, unsere Begriffe.

Und das war die tragische Weisheit eines großen Teiles der Mysterien des vierten nachatlantischen Zeitraumes, dass der Satz gefühlt wurde: Die Weisheit des Menschen kann nicht mehr Licht sein, sie wird dunkel im Menschen; denn Licht ist schaffend.

Der Christus kann nicht mit dem Verstand erfasst werden

Der abstrakte Gedanke ist unschöpferisch, ist tot.

………….

durch Christus ist etwas in die Welt gekommen, was nicht nur gedacht werden kann, was leuchtet, was wiederum Lichtkraft, also schaffende Kraft hat. Er hat sie (die Natur) durchdrungen. Und in dem Christus kann jetzt die Menschheit dasjenige finden, was sie früher in der Natur gefunden hat. ……..

Und so müssen wir eben diese zweite Welt sehen, eine zweite, ganz neue Welt ist gekommen mit dem Christus. Es ist nicht bloß dieses Abstraktum, als das man es häufig ansieht, sondern es ist eine ganz neue Welt, eine Welt, die wiederum dasjenige gibt, wenn es richtig verstanden wird, was früher die Natur gegeben hat.

Der Intellektualismus lacht, wenn man davon spricht, dass in den Mineralien Gnomen sind, was aber nichts anderes zum Ausdruck bringen soll als das, was ich vorhin gesagt habe: Die Mineralien sprachen zu einem -, oder dass Undinen in den Pflanzen sind. Menschen, die nicht mehr erblassen können, nicht mehr erröten können beim Anblick der Pflanzen, die können natürlich auch von den Undinen nichts wissen; denn die Verstandesbegriffe, die Definitionen, die sagen nichts von den Undinen.

Aber das Erröten und Erblassen, das, was im Blute liegt, das spricht davon, sprach einmal davon. Heute spricht es nur unbewusst davon. Aber all das vermag wieder aufzuleben, wenn der Christus wirklich als ein Erlebnis bei der Menschheit eintritt. Und im Christus wird sich das Alter wiederum mit der Jugend verständigen können.

Denn der Christus, der kann nicht mit dem Verstande erfasst werden. Sehen Sie, wie wir heute die Welt verstandesmäßig beurteilen, reden wir von richtig und unrichtig, von wahr und falsch. Aber das hat nur für die physische Welt, in der wir zwischen Geburt und Tod leben, Bedeutung.

Die Leute, zu denen man reden muss über die höheren Welten, die wollen nicht eingehen auf das, was das Wesentliche ist. Gewiss, man muss die Begriffe von wahr und falsch, von logisch richtig und unrichtig auch in die höheren Welten hinauftragen. Aber das ist nicht das Wesentliche.

Das Wesentliche ist, dass da etwas Lebendiges dazu kommen muss, dass da die Begriffe «gesund» und «krank» zum Beispiel eintreten müssen. Hier für die physische Welt ist etwas eben richtig oder unrichtig, für die höheren Welten ist das Richtige außerdem gesund. Wir empfinden es so lebendig, wie wir hier das Gesundsein am ganzen Menschen empfinden in der physischen Welt.

Und das Falsche, das Unrichtige ist dort das Kranke, und wir reden eigentlich besser, wenn wir in der gewöhnlichen Welt die Dinge wirklich treffen wollen, von gesund und krank, als wenn wir von richtig oder unrichtig reden, und wir müssen uns auch aneignen etwas von der Anschauung nach dem Gesunden oder Kranken.

Hier urteilen wir logisch nach richtig oder unrichtig, in den höheren Welten empfinden wir: da wächst etwas, es entwickelt sich. Wir reden nicht vom bloßen Richtigen, wir empfinden das als gesund. Und wenn wir einen Begriff darüber fassen, so fühlen wir auch diesen Begriff als etwas Gesundes, nicht bloß als etwas Richtiges. Und ebenso fühlen wir das, was unrichtig ist, in der geistigen Welt als krank.

Nun, für die physische Welt reichen wir heute eben aus – wir sind einmal so veranlagt – mit richtig oder unrichtig. Für die Geschichte ist das nicht der Fall.

Für die Geschichte kommen wir eben mit dem nicht aus, was die neueren Historiker nach dem Muster der bloßen Physik an Begriffen entwickelt haben. Da müssen wir sprechen von einer Gesundheit am Ausgangspunkte der Menschheit. Wir müssen in der griechisch-lateinischen Zeit sprechen von einer Erkrankung der Kultur. Und wir müssen von der Therapie der Geschichte sprechen, indem wir die Wirksamkeit des Mysteriums von Golgatha entwickeln. Wir müssen also sprechen, wie wir von dem gesunden und kranken Menschen sprechen, wir müssen die Geschichte nach dem Musterbilde einer Erkrankung und einer Heilung darstellen.

“Rudolf Steiner in der GA 209, S. 101 f.“


Zeit

Zeit ist in der allgemeinen Relativitätstheorie nicht unbedingt unbegrenzt. So gehen viele Physiker davon aus, dass der Urknall nicht nur der Beginn der Existenz von Materie ist, sondern auch den Beginn von Raum und Zeit darstellt. Nach Stephen W. Hawking hat es einen Zeitpunkt „eine Sekunde vor dem Urknall“ ebenso wenig gegeben wie einen Punkt auf der Erde, der 1 km nördlich des Nordpols liegt.

Was wir als Zeit erleben, hat seine wahre Ursache in dem Zusammenwirken einer Summe niederer und höherer geistiger Wesen.

Was wir im Erdenleben als Zeit empfinden, ist eine Täuschung; Wirklichkeit hat nur die Geschwindigkeit:

„Ich habe davon gesprochen, daß die Zeit, so wie wir sie erleben, eigentlich eine Täuschung ist, daß die Zeit in Wirklichkeit etwas ganz anderes ist, als sie der Mensch erlebt, weil der Mensch die Zeit nicht perspektivisch nimmt, so sagte ich dazumal.

Den Raum erlebt der Mensch schon perspektivisch; die ferneren Bäume sieht er kleiner als die nahen Bäume.

In Wirklichkeit ist auch die Zeit ebenso perspektivisch zu sehen. Die in der Zeit entfernten Ereignisse sind anders zu sehen als die in der Zeit nahen Ereignisse.

Es ist aber nur die Grundlage dafür, daß die Zeit wirklich das ist, als was die Forscher aller Zeiten sie angesehen haben: die Zeit ist das wichtigste Medium der menschlichen Täuschung.

Wir denken uns, daß zum Beispiel die Wesen der höheren Hierarchien auch so durch die Zeit fließen, wie unser eigenes Seelenleben durch die Zeit fließt: es ist keine Wahrheit darin. In Wahrheit liegt das Wesen der höheren Hierarchien in abgeflossenen Zeiten, aber sie wirken herüber aus den abgeflossenen Zeiten, wie im Raume von einem entfernten Orte man herüberwirken kann, meinetwegen durch Lichtsignale oder so etwas, auf in einem nahen Orte im Raume liegende Wesen.

Die Zeit ist nicht das, als was sie die Menschen ansehen, die Zeit ist auch nicht das, als was sie solche Philosophen wie Kant ansehen, sondern die Zeit ist in ihrer Wirklichkeit etwas ganz anderes. Und das, was der Mensch als Wirklichkeit ansieht, ist eben auch eine Maja, eine große Täuschung.

Vor allen Dingen bleibt immer das stehen, wovon wir glauben, indem wir in der Zeit als Täuschung leben, daß es vergangen sei. Es bleibt aber da; die Zeit wird wirklich zu etwas wie zu einem Raume. Und man sieht auf die rückwärtigen Ereignisse so, wie man auf entfernte Gegenstände im Raume sieht, wenn man wahrhaftig sieht. Die Zeit ist eine Täuschung.

Und weiter weiß die Geisteswissenschaft, daß die Quellen zu andern großen Täuschungen in menschlichen Weltanschauungen davon herrühren, daß der Mensch in bezug auf die Zeit der Täuschung unterliegt.

Wenn unter Ihnen viele Physiker wären, würde ich selbst rein physikalisch mich hier aussprechen können. Ich würde Ihnen an physikalischen Formeln zeigen können, daß so, wie der Physiker die Zeit – das t, wie er es bloß nennt – in die physikalischen Formeln einführt, diese Zeit nur eine Zahl ist, also etwas ganz Unbekanntes, keine Wirklichkeit, sondern ein reiner Schein ist. Ein Wirkliches ist immer nur die Geschwindigkeit, aber die gerade sieht der Physiker als eine Folge der Zeit an. Da Sie ja keine Physiker sind und sich wahrscheinlich auf das Verständnis der Sache nicht einlassen werden, will auch ich mich nicht weiter darauf einlassen.

Die Zeit ist Täuschung, das ist eine schwerwiegende Wahrheit, weil die Zeit als Täuschung vielen andern Täuschungen des Lebens zugrunde liegt.

So zum Beispiel sieht man alle Dinge falsch, wenn man im geschichtlichen Leben die Zeit falsch anwendet. So denken etwa die Menschen, in den ersten drei christlichen Jahrhunderten hätten sich gewisse Dinge zugetragen, die seien jetzt vorbei. – In Wirklichkeit müßten sie denken: Der Erzengel oder die Wesenheit aus der Hierarchie der Archai, die dazumal die Ereignisse geleitet hat, ist noch da; das wirkt in anderer Weise weiter. – Das Vergangensein ist nur eine Täuschung. Es hängt viel davon ab, daß man gegenüber der geistigen Wirklichkeit gerade den perspektivischen Charakter der Zeit kennenlernt, daß man weiß, man muß sich über die Ereignisse im Zeitenlaufe ebenso täuschen – während man das nicht glaubt -, wie man sich über die Ereignisse im Raume täuscht, wenn man keine Perspektive zugibt.

Denken Sie einmal, wie groß die Täuschung wäre, wenn Sie keine Perspektive zugeben würden, wenn Sie das Entfernte im Raume als so wirksam auf sich selbst betrachten würden wie das Nahe. Sie schauen auf einen fernen Berg hin. Von der Luft, die Sie umgibt, hängt wesentlich Ihre Gesundheit ab; von der Luft auf dem fernen Berge nicht, denn wollen Sie sie als gesundheitsfördernd haben, so müssen Sie hingehen.

Die Wirklichkeit hängt im wesentlichen, sobald es um die Wirklichkeit im Leben sich handelt, mit der Perspektive zusammen.

So ist es aber auch mit Bezug auf die Zeit. Wir leben richtig in der Gegenwart, wenn wir nicht glauben, daß die ferneren Ereignisse der Vergangenheit ebenso gewogen werden können wie die nahen Ereignisse.

Wenn wir im dritten nachatlantischen Zeitraum die ägyptisch-chaldäische Zeit betrachten und nur dasjenige ins Auge fassen, was die Dokumente liefern, und sie so registrieren, wie sie die Torengeschichte registriert, die Fable convenue, die sich eben heute Geschichte nennt, dann machen wir den perspektivischen Fehler. Denn es hat überhaupt für das heutige Leben gar keine Bedeutung, was die Menschen äußerlich an Taten während der ägyptischen Zeit gemacht haben, aber was die Engel und Erzengel und Archai gemacht haben, das hat Bedeutung; das tritt aber nur in der perspektivisch gebildeten Betrachtung hervor.

Rudolf Steiner als Student
Der 21-jährige Student Rudolf Steiner, um 1882

Daher ist es ein Grundsatz, und nicht nur heute, wo wir alle diese Dinge wiederentdecken müssen auf dem Boden der Anthroposophie, sondern in allen Zeiten war es ein Grundsatz für alle geistigen Forscher, daß die Zeit als solche eine Täuschung ist, und niemals wurde von einem wirklichen Kenner der Wirklichkeit mit der Zeit so gerechnet, daß sie für eine Wahrheit gehalten wurde, daß sie selbst für eine wahre Wirklichkeit gehalten worden wäre.“

(Lit.GA 184, S. 71ff)


über den richtigen Nahrungsbedarf

„Der Mensch hat die Möglichkeit, sich in weiser Art seinen Organismus aufzubauen, kann dazu beitragen, die freien selbständigen inneren Kräfte zu entfalten, und so kommen wie denn durch die Geisteswissenschaft auf den eingangs erwähnten, von Feuerbach aufgestellten Spruch zurück: „Der Mensch ist, was er ißt.“ Der Mensch kann sich selbst so ernähren, daß er seine unsichtbare innere Selbständigkeit untergräbt und dadurch zum Ausdruck dessen wird, was er ißt. Aber er soll so essen – und die Geisteswissenschaft kann ihm eine Anleitung dazu sein – daß er immer weniger und weniger der Sklave seiner Nahrungsweise ist,..weil wir durch eine unrichtige Ernährungsweise leicht werden können das, was wir essen.
Aber der Mensch kann dadurch, daß er sich mit der Erkenntnis des geistiges Lebens durchdringt, danach trachten, daß er frei und unabhängig sei, so daß ihn dasjenige, was er ißt, nicht hindert, dasjenige zu sein und zu werden, was ein Mensch werden kann.“ (1902, Archiv)

Aus „Irdische und kosmische Ernährung“ – Dr. Ernst Hagemann – Teil 4 – Seite 41


Der geistige Hintergrund der Musik

Quelle: https://anthrowiki.at/Musik

In der zeitgemäßen Musik besteht die Aufgabe, die unbewußt erlebten Sphärenklänge als umfassende Quelle der Musik über die Verstandes- und Gemütsseele hinaus in das Tagesbewußtsein zu heben, also die wahrgenommenen Harmonien und Disharmonien des Weltgeschehens mit der Bewußtseinsseele aufzusuchen und durch sie musikalisch ‚abzubilden‘. Disharmonien verlieren dann durch passende Einordnung ihren zerstörerischen Charakter. Sie fördern aufbauend und abbauend die Entwicklung des Ganzen.

Musik ist darum, ganz allgemein und abstrakt ausgedrückt, die Kunst, Töne durch Rhythmus, Melodie (die Abfolge verschiedener Tonhöhen), Harmonie (die Gleichzeitigkeit bestimmter Tonhöhen) und Dynamik (die Abfolge der Lautstärke) zu einem in der Zeit verlaufenden Klangkunstwerk zu ordnen. Nach dem heutigen, mehr äußerlich orientierten Musikverständnis, kann in diesem Sinn grundsätzlich jede Tonfolge als Musik aufgefasst werden. Aus geistiger Sicht hat man es aber erst dann mit wahrer Musik zu tun, wenn die geordnete Folge der Töne zu einer (partiellen) sinnlichen Offenbarung der Sphärenharmonie erhöht wird, denn der wahre Ursprung der Musik liegt in der geistigen Welt, dem Devachan, das geistig als Sphärenmusik erlebt wird.

„Das Musikalische, das uns entgegentritt als ein Ton, kommt aus dem Devachan. Indem der Mensch im Schlafe entrückt ist in die geistige Welt, lebt er in Tönen. Diese Töne vergißt er im normalen Zustande. Der Musiker erinnert sich, zwar nicht bewußt, derselben. Es sind die Töne des devachanischen Webens und Wogens, die sich ausdrücken in der Musik, im physischen Ton.“ (Lit.:GA 108, S. 115)

„Jedesmal, wenn der Mensch einschläft, bewußtlos wird, tritt sein Astralleib heraus aus dem physischen Leib. Dann ist der Mensch zwar unbewußt, aber doch lebend in der geistigen Welt. Auf seine Seele machen die geistigen Klänge einen Eindruck. Jeden Morgen wacht der Mensch auf aus einer Welt der Sphärenmusik, und aus einem Gebiet des Wohllauts zieht er ein in die physische Welt. Wenn es wahr ist, daß die Seele des Menschen zwischen zwei Verkörperungen ein Devachan hat, so dürfen wir auch sagen, daß die Seele während der Nacht schwelgt und lebt in dem flutenden Ton, als dem Element, aus dem sie eigentlich gewoben ist, das eigentlich ihre Heimat ist.

Der schaffende Tonkünstler nun setzt den Rhythmus, die Harmonien und Melodien, die sich während der Nacht seinem Astralleib einprägen, um in einen physischen Ton. Unbewußt hat der Musiker das Vorbild der geistigen Welt, das er umsetzt in die physischen Klänge. Das ist der geheimnisvolle Zusammenhang zwischen der Musik, die hier im Physischen erklingt, und dem Hören der geistigen Musik in der Nacht.

Wenn ein Mensch beleuchtet ist vom Lichte, dann bildet sich von ihm ein Schatten an der Wand. Das ist nicht der wirkliche Mensch. So ist die Musik, die im Physischen erzeugt wird, ein Schatten, ein wirklicher Schatten von einer viel höheren Musik des Devachans. Das Urbild, die Vorlage der Musik ist im Devachan, die physische Musik ist nur ein Abbild der geistigen Wirklichkeit.“
(Lit.:GA 283, S. 14f)


Rudolf Steiner über den Ton

„Weder Ton noch Wärme, noch Licht, noch Elektrizität sind Schwingungen, so wenig als ein Pferd eine Summe von Galoppschritten ist.
Ton zum Beispiel ist ein wesenhaftes Quale und die Wirkung dieses wesenhaften Quale beim Durchgang durch die Luft ist: die Schwingung. Für den empfindenden Menschen ist die Schwingung die Veranlassung, in sich das Quale nachzuahmen; darin besteht die Wahrnehmung des Tones. Ähnlich ist es bei anderem: Licht etc.“

Interpretation: der Ton ist quasi eine komplexe Erscheinung mit einer eigenen Identität, ein Energiefeld mit einem Charakter, einer Qualität, einem Lebensausdruck. Dieses sozusagen lebendige Feld tritt als Schwingung in die Realität der physikalischen Welt ein. Das Feld erzeugt eine Resonanz im Hörer, ein Abbild seines Charakters, eine Wirkung mit einer Botschaft.

Von der Eigenqualität des einzelnen Tones und Rudolf Steiners Tonhöhenangabe c = 128 Hz

In dem Buch „Von Intervallen Tonleitern Tönen und dem Kammerton c = 128 Hz“ von Maria Renold geht es in dem Kapitel 14 „Von der Eigenqualität des einzelnen Tones und Rudolf Steiners Tonhöhenangabe c = 128 H“ um den Einstimmton und um die Intonationshöhe der einzelnen Töne einer Tonleiter.

Maria Renold legt ihren Ausführungen eine mündliche Tonhöhenweitergabe von Rudolf Steiner an Kathleen Schlesinger zugrunde: „c = 128 Hz„.

Maria Renolds Zwölf-Quintentöne-Leiter wird immer auf c = 128 HZ oder c = 256 Hz (Oktave ) eingestimmt.

Das heißt:
nicht 432 HZ ist die Leitfrequenz, sondern 128 HZ.
In dem Kapitel geht es aber auch die Eigenqualität von Tönen auf bestimmten Schwingungszahlen, die sich von den Eigenqualitäten anderer Töne grundsätzlich unterscheiden. Damit ist die Wirkung gemeint, ein moralischer Wert, wie der in Marias Buch von ihr in dem Kapitel 14 zitierte Musikhistoriker C. Forsyth meint. In der Musik im antiken Griechenland haben Tonhöhen moralische Eigenschaften wie gut und böse oder tapfer. Es wurde ein Ethos mit der Tonhöhe verbunden.
Und zum Schluss des Zitats steht dann dieser Satz:

„Wir müssen aber wiederholen, dass für den Griechen diese Tonhöhe eine Tonika, das heißt Grundton oder Prim war, nicht eine Tonleiter-Tonhöhe in unserem Sinn.“

Rudolf Steiner und die Frequenzen

In dem Buch „Von Intervallen, Tonleitern, Tönen und dem Kammerton C = 128 Hertz“ von Maria Renold zitiert sie am Schluss des Buches Rudolf Steiner. Das Zitat stammt aus dem Vortrag vom 22.4.1924
Die Offenbarung des Himmlischen im Irdischen durch die Kunst. 
Es ist der letzte Beitrag von Rudolf Steiner zur Musik, zu den Frequenzen.

Für die Freunde besonderer Zusammenhänge weise ich auf die Bandnummer und die Seitennummer hin, unter der das folgende Zitat zu finden ist:

Die Offenbarung des Himmlischen im Irdischen durch die Kunst
R U D O L F S T E I N E R G E S A M T A U S G A B E
Abteilung B: Vorträge
IL Vorträge vor Mitgliedern
der Anthroposophischen Gesellschaft
Herausgegeben von der
Rudolf Steiner Nachlassverwaltung
Band GA 243
Seite 234

Die Zahlen kommen dem Kenner bekannt vor: 243 – 234. Wo diese Zahlen sind, ist auch die Frequenz 432 HZ nicht weit.

„Das Musikalische ist aber befähigt, diesen Christus-Impuls in Tönen, in gestalteten Tönen, in durchseelten, in durchgeistigten Tönen einmal vor die Welt hinzustellen.


Läßt sich die Musik inspirieren von anthroposophischer Geisteswissenschaft, wird sie die Wege dazu finden, denn sie wird rein künstlerisch, artistisch, gefühlsmäßig enträtseln, wie in Tönen symphonisch belebt werden kann dasjenige, was im Kosmisch-Tellurischen als der Christus-Impuls lebt.


Man braucht dazu nur in einer innerlich bis ins Mystische in der Empfindung gehenden Vertiefung des musikalischen Erlebens das Terzengebiet in Dur vertiefen zu können.

Erlebt man dies als etwas, was musikalisch ganz im Inneren des Menschen beschlossen ist, und empfindet man dann das Quintengebiet in Dur, empfindet man das Quintengebiet als dasjenige, was etwas Umhüllendes hat, was etwas davon hat, daß, wenn der Mensch in die Quintengestaltung hineinwächst, er bis an die Grenze des Menschlichen und Kosmischen gelangt, wo das Kosmische in das Menschliche hereintönt, das Menschliche in das Kosmische hinaus sich sehnt, ja hinaussehnend stürmt, dann kann man gerade im Musikalischen durch das Mysterium, das zwischen dem Terzen- und Quintengebiete in Dur sich abspielt etwas erleben von dem, was als Innermenschliches in das Kosmische hinaus will.

Und gelangt man dann dazu, zuerst auftönen zu lassen in den Septimendissonanzen das Leben im Kosmos, wo die Septimendissonanzen sprechen als dasjenige, was der Mensch im Kosmos empfindend erleben kann, wenn er sich auf dem Wege befindet in die verschiedenen Geistesregionen hinaus, und gelangt man dazu, die Septimendissonanzen verschweben zu lassen so, daß sie gerade durch ihr Verschweben etwas Bestimmtes annehmen, dann bekommen die Septimendissonanzen zuletzt im Verschweben etwas, was sich wie ein musikalisches Firmament dem musikalischen Erleben darstellt.


Und findet man dann, indem man vorher schon angedeutet hat in intimen Zügen ein Moll-Erleben in dem Dur-Erleben, findet man dann in diesem Verschweben der Septimendissonanzen, in diesem Sich-Gestalten der Septimendissonanzen zu einer Totalität, die in ihrer Totalität fast harmonisch wird, fast konsonierend wird, weil sie verschwebt, findet man darinnen die Möglichkeit, in intensivem Moll herauszubekommen aus der Septimendissonanz, aus dem fast Harmonischen des Verschwebens der Septimendissonanzen, findet man zurück den Weg ins Quintengebiet in Moll und von da das Durchsetzen des Quintengebietes mit dem Moll-Terzengebiet, dann hat man auf diesem Wege erzeugt das Erleben, das musikalische Erleben der Inkarnation, und zwar gerade der Inkarnation Christi.


Denn man wird finden können in diesem Sich-hinaus-Fühlen in das dem kosmischen Empfinden gegenüber nur scheinbar dissonierende Septimengebiet, das man zu einem Firmament gestaltet, indem man die Oktave wie dahinterstehend, aber nur annähernd dahinterstehend hat, hat man dieses im Erfühlen ergriffen, kehrt man dann in der angedeuteten Weise zurück und findet, wie in der Keimgestalt der Terzenkonsonanzen in Moll die Möglichkeit liegt, wie etwas Musikalisches die Inkarnation darzustellen, dann darf, wenn wiederum zurückgegangen wird zum Dur auf diesem Gebiete, da das «Halleluja» des Christus aus dieser musikalischen Gestaltung herausklingen, rein musikalisch, rein aus der Gestaltung der Töne heraus.

Dann wird der Mensch innerhalb der Gestaltung der Töne herauszaubern in dieser Formung der Töne ein unmittelbar Übersinnliches, es für das musikalische Empfinden hinstellen.


Der Christus-Impuls kann im Musikalischen gefunden werden.“

Maria Renolds letzter Satz in ihrem Buch vor dem Anhang lautet:

„Diese Worte Rudolf Steiners geben große Rätsel auf. Vielleicht können die Ausführungen dieses Buches ein wenig dazu beitragen, ihrer Lösung näherzukommen.“


Sphärenmusik (Sphärenharmonie)

Die Sphärenmusik (Sphärenharmonie) ist keine Musik in unserem traditionellen Verständnis. Die Sphärenmusik besteht nicht aus Tönen, so wie die Planetentöne auch keine Töne sind.

Es sind Frequenzmuster, die wie die DNS im Körper Informationen enthalten, die Resonanzen in der Welt hervorrufen.
Sie dienen als Steuerungsinstrument der Realität.

Rudolf Steiner hat sich zu verschiedenen Zeiten und Orten in Vorträgen dazu geäußert. Hier ist eine Zusammenstellung seiner Gedanken:

Das inspirierte Bewusstsein

„Es ist jenes Bewusstsein, von dem Pythagoras als von der Sphärenharmonie spricht. Die ganze Welt tönt ihr Wesen hinaus, und wenn der Mensch abends einschläft, wenn sein Astralleib mit dem Ich herausgeht aus seinem physischen und Ätherleibe,
dann dringen die Harmonien und Melodien der Weltenmusik durch diesen Astralleib; dann ist er eingebettet in sein eigentliches geistiges Dasein, und da erlangt er aus der Sphärenmusik heraus die Fähigkeit, die abgenützten Kräfte zu ersetzen. Der Mensch taucht unter in der Nacht in die Sphärenmusik, und dadurch dass ihn die Töne durchklingen, fühlt er am Morgen sich neu gekräftigt
und gestärkt.

Während der Mensch durch sein gewöhnliches Vorstellen nur die Dinge der Erde wahrnimmt, wird er durch die Imagination befähigt, in Korrespondenz mit den Wesenheiten der einzelnen Planeten zu treten; mit dem Sonnensystem wird er in Zusammenhang treten, wenn er zur Inspiration dringt.
Geistesohren sind die Ohren des Hellsehers, der die Sphärenharmonie eines Sonnensystems wahrnimmt.

Sphärenmusik - Das inspirierte Bewusstsein

Und könnten Sie jene Sonnenkräfte wahrnehmen, die auf die Pflanzenleiber niederströmen, wenn sie aus der Erde herauswachsen, diese Pflanzenleiber mit ihren Wurzeln und Blättern, die oben sich abschließen in der Blüte, wo der Astralleib sie umspült, und in die die geistigen Kräfte der Sonne hineinwirken, — könnten Sie diese Kräfte geistig wahrnehmen, Sie würden sie wahrnehmen als die geistige Sphärenmusik, die allerdings nur Geistesohren hören können…

Geistige Töne ziehen geheimnisvoll hinein in die Pflanzenblüte. Das ist das Geheimnis des Pflanzenwerdens, daß man in jeder einzelnen
Blüte einen Ausdruck hat für die Töne, die diese Blüte formen und der Frucht ihren Charakter geben. Aufgefangen werden die Sonnentöne von der Pflanze und walten darin als Geist.

Vielleicht wissen Sie, wie man durch den Ton in der materiellen Welt Form geben kann. Denken Sie einmal an das Experiment der Chladnischen Klangfiguren, wie da auf einer Platte der Staub durch die Einwirkung des Tones zu Figuren angeordnet wird; in diesen Figuren finden Sie den Ausdruck für den Ton, der sie angeordnet hat.

Und wie in diesem Staube gleichsam der physische Ton aufgefangen wird, so wird der geistige Ton der Sonne aufgefangen und aufgesogen von der Blüte und der Frucht. Im Samen ist er verborgen, geheimnisvoll, und wenn aus dem Samen die Pflanze herauswächst, dann ist es der eingefangene, der aufgesogene Sonnenton, der die Form der Pflanze herauszaubert.

Das hellseherische Bewußtsein blickt auf unsere Pflanzenwelt rings umher, und in den Blüten, die den Teppich unserer Erdoberfläche bilden, schaut er überall den Reflex der Sonnentöne… in den Pflanzenformen tönen die Sonnentöne, die Widerspiegelung der Sphärenmusik, in den Raum hinaus……………….

Wenn der Mensch in dieser geistigen Welt wahrzunehmen lernt, dann treten ihm sinnbildlich die Töne entgegen, es klingt und tönt geistig aus dem Himmelsraum, schneller oder langsamer, ein anderes Tönen ist es. Sphärenharmonie ist kein Bild, es ist eine Wirklichkeit, die man erlebt.“


Esoterische Stunde

Gott suchen

…….Und warum müssen wir auf diesem Weg gehen, warum müssen wir vollbewußt tief in die Welt der Illusion hineinschauen?

Warum, so fragen wir uns, haben die Götter uns in diese unwirkliche Welt hineingestellt? Sie hatten uns doch unmittelbar die wahre Wirklichkeit verschaffen können, anstatt dieses an der
Oberfläche tändelnde Wellenspiel des Lebens!

Wir werden später erkennen, daß es weise und gut ist, daß die Welt Maja, Illusion ist. Wenn alles wahre Wirklichkeit wäre, würden wir selber nicht länger nach Wahrheit, nach Vollkommenheit suchen; wir könnten keine Fähigkeiten entwickeln, und da es nichts Unrichtiges geben würde, könnte auch kein Laster bestehen.

Wir könnten uns also nicht zu einer Tugend erziehen, wir könnten uns überhaupt nicht frei entwickeln; wir würden, da wir immer in der wirkenden, waltenden Gottheit darinnen
lebten, niemals Gelegenheit haben, aus uns selbst, aus eigener Freiheit nach der wahren Erkenntnis zu suchen und unterzutauchen in die Tiefen der Wirklichkeit.

Wir würden aufhören, Gott zu suchen. Das «Gott suchen» hat eine tiefe biblische Bedeutung, die man nur esoterisch verstehen kann.

Am Ende des sechsten Schöpfungstages steht: «Und Gott ruhte am siebenten Tage.»

In der Saturn-, Sonnen- und Mondentwicklung war Gott tätig gewesen, er ruhte am siebenten Tag, nachdem die Welt geschaffen war; dann war Gott nicht mehr zu finden, bis an den
Horizont unserer Erdenentwicklung. Da war er unsichtbar; und das hat eine tiefe Bedeutung.

Das wahre Göttliche liegt hinter der sichtbaren Schöpfung verborgen – das ist die große Wahrheit, die wir als Esoteriker hinter dem Sinnenschein suchen müssen. Und da die Welt Illusion ist, gibt sie uns gerade Gelegenheit, unser Ich durch allen falschen Schein hindurch zu entwickeln, damit wir die Wirklichkeit, die Gottheit selber finden sollen.

Und welchen Weg weist uns die esoterische Schulung, welche Mittel gibt sie uns, damit wir zu einer schnelleren Erkenntnis der höheren Welten kommen können als der Mensch des Alltags?

Sie gibt uns gewisse Übungen, Konzentrations- und Meditationsübungen, bei deren Übung innere Seelenkräfte in uns erweckt werden können, die sonst noch lange schlummernd bleiben würden.

Ich will hier noch ausdrücklich betonen, daß der Schüler sich nicht auf diesen Weg begeben soll aus bloßem Vertrauen zu seinem Lehrer oder vielleicht aus einer blinden Verehrung für ihn, denn das würde der ganz verkehrte Weg sein. Er soll seinen eignen Verstand gebrauchen bei allem, was er tut, und er soll auch nicht andere für ihn denken lassen, sondern selber soll er alles prüfen, auch was seine Übungen und Meditationen betrifft.

Er soll, wenn er in seine Meditationen versunken ist, nicht an eine suggestive Kraft derselben glauben, denn das wäre eine ganz falsche Annahme.

Sie können nicht suggerierend wirken, weil sie so zusammengesetzt sind, daß jedermann durch sich selbst zur Imagination
kommt, auf die die Übungen nur hindeuten.
Betrachten wir jene Meditation, die den meisten von Ihnen bekannt ist:

In den reinen Strahlen des Lichtes

Was könnte nun hier suggerierend wirken, wahrend der Inhalt eigentlich etwas gar nicht Wirkliches andeutet? Denn ein jeder weiß, während er es für sich hersagt, daß die Gottheit nicht in
den Strahlen des (äußeren) Lichtes zu finden ist. Die Übung gibt uns nur gleichsam wie ein Symbolum die Anregung, aus uns selbst uns ein imaginatives Bild zu schaffen, während wir versuchen, uns mit unserer Seele in die Gottheit der Welt zu versenken. Wir sollen immer nur unseren eigenen Verstand allein sprechen lassen, nicht aus blindem Glauben an unseren Lehrer handeln. Es ist besser, im Zweifel zu verharren, bis wir durch unsere eigene Arbeit zu der Erkenntnis der Wahrheit gelangen.
Einmal werden wir so weit sein.

Der Doppelgänger/Ein zweites Ich

Und was ist das andere unabwendbare Erlebnis, das der Mensch innerlich durchmacht, – unabwendbar, denn es ist die Folge des treuen Befolgens der esoterischen Übungen? Das ist die Spaltung der Persönlichkeit, die da auftritt. Der Mensch wird allmählich empfinden so, als ob etwas neben ihm ginge, etwas, das mitdenkt, mithört, ja sogar, wenn der Mensch innerlich nicht sehr stark ist, mitspricht. Es ist ein zweites Ich, das hervortritt, ein Doppelgänger, den man aus sich herausgesetzt hat. […]

Das ist nicht immer eine angenehme Empfindung. Aber das Bewußtsein, diesen Doppelgänger immer mit sich zu führen, wird ihm seine Fehler ins Bewußtsein rufen, damit er sich bessern solle. Er soll fortwährend diese Anwesenheit empfinden, sonst würde es gefährlich werden und er über all seinen hohen Idealen und Absichten vergessen, was eigentlich sein Innenleben und was seine Fehler sind.

Es würde unter gewissen Umständen sogar für einen hohen Eingeweihten lebensgefährlich sein, trotz seines hohen Strebens, wenn er diesen Doppelgänger nur einen Augenblick vergessen würde. Er würde tatsächlich seinen physischen Leib durch den Tod verlieren können, ungefähr in der Weise wie jemand, der, in ein erhabenes Problem vertieft, vergessen würde, auf seinen Körper zu achten, und infolge dieser Unaufmerksamkeit überfahren würde. Je stärker der Doppelgänger auftritt, desto besser ist es für unsere Entwicklung, denn sonst würden wir uns großen Illusionen über uns selbst hingeben.

Rudolf Steiner – GA 266b – Aus den Inhalten der esoterischen Stunden: Band II: 1910-1912 – Hannover, 31 Dezember 1911 (Seite 271-275)


Der Schöpfer ist nicht das Wichtigste, bei weitem am wichtigsten sind die Zuschauer

Aus der Instruktionsstunde, Berlin, 28. Oktober 1911

„Die spirituelle Entwickelung der Menschheit könnte gar nicht durch die «Geister der Vorzeit» – seien es Menschen, die früher gelebt, seien es Götter, die uns in der Erdenentwickelung vorangeschritten sind – weitergeführt werden, wenn es nicht Seelen gäbe, in welche sie diese Lehren hineinergießen könnten. Es ist wie mit dem Samenkorn einer Pflanze: solange es noch in der Blüte oder dem Fruchtknoten drinnen ist, hat es keinen Wert; erst, wenn es in die Erde kommt, kann es aufgehen.

Von viel mehr Bedeutung für die Erdenentwickelung sind die Menschen, die Kunstwerke wie die Sixtinische Madonna, den «Faust» und so weiter auf sich wirken lassen, als der Künstler selber. Hätte Raffael nur die (Sixtinische) Madonna gemalt und sonst keiner sie je gesehen, dann hätte das nur Bedeutung für ihn allein gehabt, aber nicht für die Ewigkeit. Nur indem Menschen Kunstwerke oder andere Geistesprodukte auf sich einwirken lassen, wird etwas erzeugt, was die Erde überdauern wird und in den Jupiter-Zustand mitgenommen werden wird.

Der Schöpfer ist nicht das Wichtigste, bei weitem am wichtigsten sind die Zuschauer, Leser und so weiter. Wenn einer, der ein Kunstwerk schafft oder ein Buch schreibt, die Anregung dazu aus der geistigen Welt empfängt, dann, bis zum Augenblicke der Empfängnis, hat es auch für ihn eine ewige Bedeutung. Sobald er aber mit Feder oder Pinsel ans Werk geht, arbeitet er nur für das Zeitliche, hat es nur für ihn Bedeutung. Alles, was in die Welt hinein produziert wird, verfällt dem Zeitlichen.

Nur dasjenige, was in Menschenseelen angeregt wird, bleibt. Das größte Gewicht ist also gerade nicht da, wo man es dem gewöhnlichen intellektuellen Urteil nach vermuten sollte. Daß die Evangelisten die Evangelien geschrieben haben, war für sie von Bedeutung, aber es würde nichts für die Ewigkeit bedeuten, wenn es nicht unzählbare Herzen gegeben hätte, auf die diese Evangelien gewirkt haben. Unendlich viel besser ist es, ein gutes Buch der früheren Zeit zu lesen und auf sich einwirken zu lassen, als selber ein schlechtes Buch zu schreiben.

Wer glaubt, etwas in der Welt leisten zu müssen, soll warten, bis sein Karma ihn zu dieser oder jener Arbeit aufruft. Und wer zum Beispiel eine spirituelle Vision gehabt hat und sich fragt, ob er diese der Welt mitteilen soll, kann dazu folgendes Kriterium anlegen: Wenn das Mitteilen ihm Freude verursacht, dann soll er es gewiß unterlassen.

Nur dasjenige, was Schmerzen bereitet bei der Mitteilung, hat einen Wert. Humoristen, die Freude an ihren Einfällen haben, liefern nichts, was eine Bedeutung für die Menschheit hätte; nur diejenigen, die mit Schmerz die Torheit der Menschen durchlebt haben und sich daraus zu ihrem Humor erhoben haben, geben etwas Bleibendes in der Geschichte. Nichts außer «Hingabe an die geistige Welt» kann ein Werk in der Welt fruchtbar gestalten. “

(Rudolf Steiner, GA 265, Seite 126ff)

https://anthrowiki.at/GA_265


„Hineinstrahlen, hineinleuchten soll unser Denken in den Weltenraum.

Blick auf die Erde

Wenn aber die Menschen nicht spirituell denken, fühlen und wollen, wenn sie es zurückweisen, bewußt vor den Hüter [der Schwelle] zu treten, dann leuchtet kein menschliches Erleben in den Weltenraum hinein. Im 19. Jahrhundert, als die Menschen aufgehört hatten, spirituell zu denken, da genügte das menschliche Denken nicht, um die Erde erstrahlen zu lassen. Aber ein Stern muß strahlen. Deshalb mußten im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die höheren Tiergruppenseelen dafür eintreten und ihr Licht hinaussenden. Damals begann die kosmische Schande der Menschheit in den Kosmos hinauszustrahlen. Darum müssen sich jetzt in der Menschheit Seelen finden, deren spirituelle Erkenntnis die Erde als Stern hinausleuchten lässt in den Weltraum für die Bewohner anderer Sterne.“ (GA266/3, S. 482f )

Himmel Sterne

Die Entwicklung der Erde im Urzustand

„Es ist wirklich nicht leicht, die Herrlichkeit der Erde von damals zu schildern und eine Vorstellung zu geben von jener Zeit. Wir müssen uns die Erde als eine lichtdurchglänzte Kugel vorstellen, von lichttragenden Wolken umstrahlt, wunderbare Lichterscheinungen von wunderbarem Farbenspiel erzeugend. Wenn man eine fühlende Hand hätte hineinstrecken können in diese Erde, man hätte Wärmeerscheinungen wahrgenommen, auf und ab wogend die durchglühten, durchleuchteten Massen, darin alle heutigen Menschenwesen, umwebt und umwogt von all den geistigen Wesenheiten, nach außen hin in grandioser Mannigfaltigkeit strahlendes Licht aussendend!

Außen der Erdenkosmos in seiner großen Mannigfaltigkeit, innen der lichtumflossene Mensch, in Verbindung mit den göttlich-geistigen Wesenheiten, von ihnen ausgehend und Ströme von Licht in die äußere Lichtsphäre strahlend. Der Mensch hing wie an einer aus dem Göttlichen entspringenden Nabelschnur an diesem Ganzen, an dem Lichtschoß, dem Weltenschoß unserer Erde. Ein gemeinsamer Weltenschoß war es, in dem die Lichtpflanze Mensch damals lebte, sich eins fühlend mit dem Lichtmantel der Erde. So war der Mensch in dieser feinen Dunstpflanzenform wie an der Nabelschnur der Erdenmutter hängend, so war er gehegt und gepflegt von der ganzen Mutter Erde. Wie in einem gröberen Sinne heute das Kind gehegt und gepflegt ist im mütterlichen Leibe als Kindeskeim, so war damals gehegt und gepflegt der Menschenkeim. So lebte der Mensch damals in der urfernen Erdenzeit.

Dann begann die Sonne sich herauszulösen, die feinsten Substanzen mit sich nehmend. Es gab eine Zeit, in der die hohen Sonnenwesenheiten die Menschen verließen, da alles, was heute zur Sonne gehört, unsere Erde verließ und die gröberen Substanzen zurückließ. Und verbunden war dieses Hinausgehen der Sonne damit, dass der Dunst sich abkühlte zu Wasser, und wir haben, während wir früher die Dunsterde hatten, nun die Wasser-Erdkugel.

In der Mitte waren die Urwasser, jedoch nicht von Luft umgeben; langsam gingen die Wasser über in dichte, dicke Nebel, die sich allmählich verfeinerten. So haben wir die damalige Erde als Wassererde, also darin auch Stoffe in weichem Zustande, umdunstet von Nebeln, die immer feiner wurden, bis hinauf in die höchsten Sphären, wo die Nebel ganz fein wurden. So haben wir einmal unsere Erde vor uns. So war sie verändert, und die Menschen mussten nun sozusagen die früher lichtdurchglühte Gasgestalt hineinsenken in die trüben Wasser und sich dort verkörpern als geformte Wassermassen im Wasser, wie vorher als Luftformen in der Luft.

Der Mensch wurde eine Wassergestalt, jedoch keineswegs ganz. Niemals war der Mensch ganz ins Wasser hinuntergetaucht. Das ist ein wichtiger Moment. Es ist beschrieben worden, wie die Erde in der Mitte Wassererde war, der Mensch war nur teilweise ein Wasserwesen, er ragte hinein in die Dunsthülle, so dass er halb Wasser-, halb Dampfwesen war. Unten im Wasser konnte der Mensch unmöglich von der Sonne erreicht werden, die Wassermasse war so dick, dass das Sonnenlicht nicht durchdringen konnte. In den Dunst konnte das Licht der Sonne etwas hineindringen, so dass der Mensch lebte zum Teil im dunkeln, lichtberaubten Wasser und teilweise im lichtdurchglühten Dunst. Von etwas war jedoch das Wasser nicht beraubt, von etwas, das wir jetzt genauer beschreiben müssen.

Von Anfang an war die Erde nicht nur glühend, leuchtend, sondern auch tönend, und der Ton war in der Erde geblieben, so dass, als das Licht hinausging, innerlich das Wasser zwar dunkel wurde, innerlich aber auch vom Ton durchdrungen wurde, und der Ton war es, der dem Wasser gerade die Gestaltung, die Form gab, wie man das ja an dem bekannten physikalischen Experiment kennenlernen kann. Wir sehen, dass der Ton ein Gestaltendes ist, eine formende Kraft, weil durch den Ton die Teile gegliedert oder geordnet werden. Der Ton hat eine formende Kraft, und die war es, die auch den Leib aus dem Wasser heraus geformt hat.

Das war die Kraft des Tones, die noch in der Erde geblieben war. Es ist der Ton, der Klang, der die Erde durchklingt, es ist der Ton, aus dem heraus sich formte die Menschengestalt. Hindringen konnte das Licht nur zu dem Teil des Menschen, der da aus dem Wasser hinausragte. Unten ein Wasserleib, oben ein Dampfleib, den das äußere Licht berührte, zu dem im Lichte die Wesen, die mit der Sonne herausgegangen waren, Zugang hatten. Vorher fühlte sich der Mensch in ihrem Schoße, als die Sonne noch mit der Erde vereinigt war; jetzt schienen sie im Licht auf ihn nieder und durchstrahlten ihn mit ihrer Kraft. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass in dem, was nach der Trennung der Sonne zurückgeblieben war, auch die Kräfte waren, die die Erde von sich trennen musste, die Kräfte des Mondes.

Wir haben also eine Zeit, wo gerade die Sonne herausgegangen war, wo allmählich jener Pflanzenmensch untertauchen musste in die physische Wassererde. Das ist die Stufe, die der Mensch damals in seinem Leibe erreicht hatte, die wir heute degeneriert festgehalten sehen in den Fischen. Wenn wir heute das Wasser von Fischen durchzogen sehen, so sind diese Fische Überreste jener Menschen, natürlich in einer dekadenten Form. Wir müssen uns etwa einen Goldfisch denken, in phantastischen Pflanzenformen, mit großer Beweglichkeit, aber mit dem Gefühl von Wehmut, weil das Licht dem Wasser genommen war.

Es war eine tiefe, tiefe Sehnsucht, die entstand. Das Licht war nicht mehr da; das Verlangen nach dem Licht rief die Sehnsucht hervor. Es gab einen Augenblick in der Erdenentwickelung, in dem die Sonne noch nicht ganz heraus war aus der Erde, da kann man jene Gestalt noch durchglüht sehen von Licht, die Menschen im oberen Teil noch auf der Sonnenstufe, unten schon in der Gestalt, die in der Fischform festgehalten worden ist. Dadurch nun, dass der Mensch mit der Hälfte seines Wesens in der Dunkelheit lebte, dadurch war da unten eine recht niedere Menschennatur, denn in dem Teile, mit dem er untertauchte, hatte er die Mondeskräfte in sich.

Wenn das auch nicht zur Lava erstarrt war, wie im heutigen Monde, es waren schwarze, finstere Kräfte. Da konnten auch nur die schlechtesten Partien des Astralischen untertauchen. Aber oben war eine Dunstgestalt, gleichsam der Kopfteil, in den hineinstrahlte das Licht von außen und ihm die Form gab, so dass der Mensch aus einem niederen und einem höheren Teil bestand. Schwimmend, schwebend bewegte er sich in dieser Dunstatmosphäre. Die dichte Dunstatmosphäre der Erde war noch nicht Luft, sie war Dunst, also noch nicht Luft, durch die die Sonne hätte dringen können. Die Wärme konnte durchdringen, aber nicht das Licht. Der Sonnenstrahl konnte nicht die ganze Erde küssen, sondern nur die Oberfläche, der Erdenozean blieb dunkel. In diesem Ozean waren aber die Kräfte, die später als Mond herausgegangen sind.

Dadurch nun, dass die Lichtkräfte eindrangen, drangen auch die Götter in die Erde ein. So dass wir unten den götterlosen, gottverlassenen Wassermantel, nur durchdrungen von der Kraft des Tones haben, ringsherum den Dunst, in den sich hineinerstrecken die Kräfte der Sonne. So dass der Mensch in dem Dunstkörper, der über die Wasserfläche hinausragte, doch immer noch ein Mitbürger war dessen, was zu ihm strahlte als Licht und Liebe aus der geistigen Welt. Warum durchdrang jedoch den finsteren Wasserkern die tönende Welt?
Aus dem Grunde, weil einer der hohen Sonnengeister zurückgeblieben war, verbunden hatte sein Dasein mit der Erde. Das ist derselbe Geist, den wir kennen als Jahve oder Jehova. Jahve allein blieb bei der Erde, er opferte sich, er war es, dessen inneres Wesen als formender Ton die Wassererde durchklang.

Aber weil die schlechtesten Kräfte als Ingredienzien in der Wassererde verblieben waren, weil diese Kräfte furchtbare Elemente waren, kam der Dunstteil des Menschen immer mehr herunter, und aus der ehemaligen Pflanzengestalt entstand allmählich ein Wesen, das auf der Stufe eines Amphibiums stand. In der Sage und Mythe ist diese Gestalt, die viel tiefer steht als die spätere Menschheit, geschildert als der Drache, als der Menschenmolch, als der Lindwurm.

Und der andere Teil des Menschen, der ein Bürger des Lichtes war, der wird dargestellt als ein Wesen, das nicht herunterkam, das die niedere Natur bekämpft, das zum Beispiel als Michael, als der Drachentöter, als heiliger Georg, den Drachen bekämpfend dargestellt wird. Auch noch in der Gestalt des Siegfried mit dem Drachen haben wir, allerdings umgeformt, Bilder dessen, was damals in jener Zweiteilung Menschenanlage war. Hinein kam in den oberen Teil der Erde und somit auch in den oberen Teil des physischen Menschen die Wärme, und bildete etwas wie einen feurigen Drachen. Aber darüber erhob sich der Ätherleib, in dem die Kraft der Sonne festgehalten wurde. So haben wir eine Gestalt, die das Alte Testament recht gut dargestellt hat in der Gestalt der verführerischen Schlange, die auch ein Amphibium ist.

un rückte die Zeit immer mehr heran, in der die niedersten Kräfte herausgeschleudert wurden. Mächtige Katastrophen erschütterten die Erde, und für den Okkultisten erscheinen die Basaltbildungen als Überreste jener reinigenden Kräfte, die dazumal den Erdenkörper erschütterten, als der Mond sich von der Erde trennen musste. Das war aber auch die Zeit, in der sich immer mehr verdichtete der Wasserkern der Erde, und in der allmählich der feste, mineralische Kern entstand. Die Erde wurde auf der einen Seite verdichtet durch den Herausgang des Mondes, auf der anderen Seite gaben jedoch die oberen Partien ihre schwereren, gröberen Substanzen an die unteren Partien ab, und oben entstand immer mehr und mehr das, was zwar noch immer von Wasser durchsetzt war, was aber nach und nach ähnlich wurde unserer Luft. So bekam die Erde allmählich einen festen Kern in der Mitte, und Wasser war darum herum. Zuerst war der Nebel noch undurchdringlich für die Sonnenstrahlen, aber dadurch, dass der Nebel Substanzen abgab, wurde er immer dünner und dünner. Später, erst viel später ist Luft daraus geworden, und allmählich konnten die Sonnenstrahlen, die früher die Erde selbst nicht erreichen konnten, allmählich konnten sie durchdringen.

Jetzt kam eine Stufe unserer Erde, die wir uns recht vor die Seele stellen wollen. Früher tauchte der Mensch ins Wasser, ragte nur in Nebel heraus; jetzt durch die Verdichtung der Erde nimmt der Wassermensch allmählich die Möglichkeit an, die Form zu verdichten, ein festes Knochensystem anzunehmen. Der Mensch verhärtete sich in sich selber. Dadurch bildete sich der obere Teil des Menschen so um, dass er für das neu Eingetretene geeignet wurde. Das neu Eingetretene, was früher unmöglich war, das war die Luftatmung. Jetzt finden wir eine erste Anlage der Lunge. In dem oberen Teil war früher das, was das Licht aufnahm, das aber nicht weiterdringen konnte. Jetzt fühlte der Mensch wieder das Licht in seinem dumpfen Bewusstsein. Er konnte das, was da herunterstrahlte, fühlen als göttliche Kräfte, die ihm zuströmten. Bei diesem Übergang fühlte er das, was ihm zustrahlte, in zwei Teile sich spalten: die Luft drang selbst in ihn ein, der Hauch der Luft drang in ihn ein, früher drang das Licht nur an ihn, jetzt Luft in ihn. Der Mensch, der das fühlte, musste sich etwa sagen: Früher fühlte ich die Kraft, die über mir ist, als die Kraft, die mir gab das, was ich jetzt brauche zum Atmen. Licht war mir Atmen. – Was jetzt in ihn einströmte, war ihm wie zwei Brüder; Licht und Luft waren für ihn zwei Brüder. Jetzt war es für ihn eine Zweiheit geworden: Licht und Luft.

Der Erde Lufthauch, der in den Menschen einströmte, war auch zu gleicher Zeit die Ankündigung, dass der Mensch etwas ganz Neues fühlen lernen musste. Solange Licht allein war, solange kannte der Mensch nicht Geburt und Tod. Früher verwandelte sich die lichtdurchglühte Wolke, und der Mensch fühlte das etwa wie das Wechseln eines Rockes, er fühlte nicht, dass er geboren wurde, nicht, dass er starb, er fühlte sich ewig, Geburt und Tod nur wie Ereignisse.

Mit dem ersten Atemzuge trat das Bewusstsein von Geburt und Tod ein: Die Luft, der Lufthauch, der sich abgespaltet hat von seinem Bruder, dem Lichtstrahl – so empfand der damalige Mensch -, der abgespaltet hat dadurch auch die Wesen, die früher mit dem Lichte eingeflossen sind, der hat mir den Tod gebracht.

Wer war es denn, der da machte, dass das Bewusstsein: Zwar habe ich eine finstere Gestalt, doch bin ich verbunden mit dem ewigen Wesen – wer war es denn, der dieses Bewusstsein vertrieb, tötete? Der Lufthauch, der in den Menschen einströmte – Typhon. Typhon heißt der Lufthauch.

Ein großes kosmisches Ereignis ist verborgen im ägyptischen Mythos, der den Osiris getötet sein lässt durch Typhon. Der Ägypter fühlte den Gott, der von der Sonne kam und der sich noch vertrug mit seinem Bruder, als Osiris. Typhon war die Atemluft, die dem Menschen die Sterblichkeit gebracht hat. Da sehen wir an einem der prägnantesten Beispiele, wie sich die Tatsachen der Weltentwickelung in der innerlichen Erkenntnis der Menschen wiederholen.

So hat sich abgespielt das Werden der Dreiheit von Sonne, Mond und Erde. Alles das wurde dem ägyptischen Schüler mitgeteilt, in tiefen, tiefen, bewusst geformten Bildern.

Rudolf Steiner am 07.09.1908 in der GA 106 („Ägyptische Mythen und Mysterien“), S. 69 ff.


Die Welt der Töne

Rudolf Steiner – Mythen und Sagen – Okkulte Zeichen und Symbole
SIEBENTER VORTRAG, Köln, 28. Dezember 1907 Seite 232 ff

Wenn wir in eine noch höhere Welt hinaufkommen, haben wir es nicht mehr mit bloßen Bildern zu tun, sondern mit den inneren Verhältnissen der Dinge, mit dem, was man mit den Worten Sphärenklang, Sphärenmusik, Welt der Töne benennt. Wenn wir den Astralplan durchwandern, haben wir im wesentlichen eine Welt von Bildern, die die Urbilder unserer Dinge hier sind. Je mehr wir uns erheben, desto mehr kommen wir in eine Welt der Klänge und Töne hinein, wobei Sie sich nicht vorstellen dürfen, daß die Welt der Töne eine im äußeren Sinne tönende Klangwelt ist.
Nicht mit dem äußeren Ohre hören Sie die Devachanwelt. Nicht mit unseren physischen Tönen, die nur eine äußere Offenbarung der devachanischen Tonwelt sind, können Sie das Wesen der tönenden geistigen Welt vergleichen. Die geistigen Töne sind Substanzen der Devachanwelt, der geistigen Welt, die da beginnt, wo die Welt der Bilder
in die Welt der Tone übergeht. Diese Welten spielen durchaus ineinander. Hier, rings um die physische Welt, ist zugleich die astralische und die devachanische Welt; eine durchdringt die andere. Es verhält sich damit so, wie wenn Sie einen lindgeborenen hier in den erleuchteten Raum hineinführen; um ihn sind die Farben und die brennenden Kerzen, aber er kann sie nicht wahrnehmen; erst wenn er durch eine glückliche Operation sehend wird, kann er das, was schon früher um ihn war, auch wahrnehmen.
So wird auch die astrale und die geistige Welt um uns erst wahrgenommen, wenn die Sinne für sie geöffnet werden; dann wird auch wahrgenommen, daß diese Welten nicht aneinandergrenzen, sondern einander durchdringen. Man kann alles, was in der einen Welt ist, in den anderen Welten wahrnehmen.
Was geistige Musik ist in der Devachanwelt, schattet sich ab in
der astralen Welt und drückt sich aus durch Zahlen und Figuren.
Was man pythagoreische Sphärenmusik nennt, wird gewöhnlich
von den abstrakten Philosophen als ein Bild genommen. Es ist aber eine wahre, echte Wirklichkeit.
Der Sphärenklang ist da, und derjenige, welcher sein Hören – der Ausdruck ist ja nicht ganz richtig,
aber wir müssen ihn gebrauchen – ausbildet, um in den höheren Welten wahrzunehmen, nimmt nicht nur um sich die Bilder und Farben der astralen Welt wahr, sondern auch die Klänge und Harmonien der geistigen Welt. So wie die Dinge um uns herum auf dem physischen Plan Offenbarungen sind der astralischen Welt, so sind sie auch Offenbarungen der geistigen Welt, die sich durch die Vermittlung des Astralischen im Physischen ausdrücken. Es drückt sich in allen unseren physischen Dingen die geistige Welt aus, und je erhebender und bedeutungsvoller die sinnlichen Dinge sind, desto klarer, schöner, großartiger zeigen sie sich auch als Ausdruck der geistigen Welt. Wenn wir ein unbedeutendes Ding unseres physischen Planes nehmen, ist es in der Regel sehr schwer, das auf sein geistiges Urbild zurückzuführen. Dagegen zeigen sich mit großer Schönheit die geistigen Urbilder, wenn wir auf bedeutendere, auf erhebende Dinge der physischen Welt hinsehen. So haben wir zum Beispiel in dem Zusammenwirken der Planeten unseres Planetensystems einen Ausdruck der geistigen Welt gegeben. Was in unserem Planetensystem in der verschiedensten Art vorhanden ist, läßt sich für den, der diese Dinge erkennen kann, zurückführen auf das, was man Sphärenharmonie nennt. Die Bewegungen unserer Planeten sind so, daß derjenige, der das in der geistigen Welt wahrzunehmen vermag, die gegenseitigen Verhältnisse der Bewegungen unserer Planeten «hört».
Es bewegt sich zum Beispiel – vom Gesichtspunkt höherer Welten angesehen – Saturn 2 1/2 mal so schnell als der Jupiter. Diese Bewe des Saturn wird in der geistigen Welt als ein entsprechend höherer Ton wahrgenommen, «mit Geistesohren», wie Goethe sich ausdrückt.
Wir wollen uns einmal die Verhältnisse der Bewegungen der Planeten in unserem Sonnensystem vergegenwärtigen. Wenn Sie die Schnelligkeit der Bewegung des Saturn zum Jupiter nehmen, so bewegt sich der Saturn 2 1/2 mal so schnell wie der Jupiter, also im Verhältnis von 2 1/2:1, und die Schnelligkeit der Bewegung des Jupiter im Verhältnis zum Mars ist 5 : 1. Für das Geistesohr stellt sich also die Jupiterbewegung gegenüber der Marsbewegung als ein viel höherer Ton dar. Wenn Sie die Schnelligkeit der ewegungen von Sonne, Merkur und Venus nehmen, die ungefähr gleich ist, so steht diese zur Marsbewegung im Verhältnis 2 : 1, sie ist also gerade doppelt so groß. Nehmen Sie die Bewegung von Sonne, Merkur und Venus im Verhältnis zum Mond, so ist dies Verhältnis wie 12 : 1, die Schnelligkeit ist also zwölf mal so groß. Wer vom geistigen Gesichtspunkt die Bewegung der ganzen uns sichtbaren Sterne betrachtet im Verhältnis zu ihrem Hintergrund, für den rückt der Sternenhimmel in einem Jahrhundert um einen Grad vor. Und die Schnelligkeit der Bewegung des Saturn gegenüber dem Sternenhimmel verhält sich
wie 1200 : 1.
Wir haben also
Saturn : Jupiter – 2 1/2 : 1
Jupiter : Mars = 5 : 1
Sonne, Merkur, Venus : Mars = 2 : 1
Sonne, Merkur, Venus : Mond = 12 : 1
Saturn : Sternenhimmel = 1200 : 1
Diese Verhältniszahlen drücken sich für die geistige Wahrnehmung durch Tone aus, die in der geistigen Welt für die Geistesohren wahrnehmbar sind. Das sind die realen Hintergründe dessen, was man «Sphärenmusik» nennt. Diese Zahlen geben Ihnen tatsächlich in der geistigen Welt real vorhandene Harmonien an. Sie sehen also, ebenso wie der Hellseher in der astralen Welt Bilder und Farben sieht, so hört der Hellhörende in der geistigen oder Devachanwelt die geistigen Harmonien der Dinge. Für den, dessen Geistesohr dafür ausgebildet ist, ergeben sich für alles das, was hier in der physischen Welt sich offenbart, als geistiger Hintergrund Töne.


Beweise in der Geheimwissenschaft

„Charakter der Geheimwissenschaft“ in der „Geheimwissenschaft im Umriss“ von Rudolf Steiner – (GA 13, S. 39f.)

Man kann gegenüber geheimwissenschaftlichen Ausfüh­rungen oftmals den Einwand hören: diese beweisen nicht, was sie vorbringen; sie stellen nur das eine oder das andere hin und sagen: die Geheimwissenschaft stelle dieses fest.

Die folgenden Ausführungen verkennt man, wenn man glaubt, irgend etwas in ihnen sei in diesem Sinne vorge­bracht. Was hier angestrebt wird, ist, das in der Seele am Naturwissen Entfaltete sich so weiter entwickeln zu lassen, wie es sich seiner eigenen Wesenheit nach entwickeln kann, und dann darauf aufmerksam zu machen, daß bei solcher Entwickelung die Seele auf übersinnliche Tatsachen stößt. Es wird dabei vorausgesetzt, daß jeder Leser, der auf das Ausgeführte einzugehen vermag, ganz notwendig auf diese Tatsachen stößt. Ein Unterschied gegenüber der rein na­turwissenschaftlichen Betrachtung liegt allerdings in dem Augenblicke vor, in dem man das geisteswissenschaftliche Gebiet betritt.

In der Naturwissenschaft liegen die Tatsachen im Felde der Sinneswelt vor; der wissenschaftliche Darsteller betrachtet die Seelenbetätigung als etwas, das gegenüber dem Zusammenhang und Verlauf der Sinnes-Tatsachen zu­rücktritt.

Der geisteswissenschaftliche Darsteller muß diese Seelenbetätigung in den Vordergrund stellen; denn der Leser gelangt nur zu den Tatsachen, wenn er diese Seelenbetäti­gung in rechtmäßiger Weise zu seiner eigenen macht. Diese Tatsachen sind nicht wie in der Naturwissenschaft – aller­dings unbegriffen – auch ohne die Seelenbetätigung vor der menschlichen Wahrnehmung; sie treten vielmehr in diese nur durch die Seelenbetätigung.

Der geisteswissenschaftliche Darsteller setzt also voraus, daß der Leser mit ihm gemein­sam die Tatsachen sucht. Seine Darstellung wird in der Art gehalten sein, daß er von dem Auffinden dieser Tatsachen erzählt und daß in der Art, wie er erzählt, nicht persön­liche Willkür, sondern der an der Naturwissenschaft heranerzogene wissenschaftliche Sinn herrscht. Er wird daher auch genötigt sein, von den Mitteln zu sprechen, durch die man zu einer Betrachtung des Nichtsinnlichen – des Übersinn­lichen – gelangt. – Wer sich in eine geheimwissenschaftliche Darstellung einläßt, der wird bald einsehen, daß durch sie Vorstellungen und Ideen erworben werden, die man vorher nicht gehabt hat.

So kommt man zu neuen Gedanken auch über das, was man vorher über das Wesen des «Beweisens» gemeint hat. Man lernt erkennen, daß für die naturwissen­schaftliche Darstellung das «Beweisen» etwas ist, was an diese gewissermaßen von außen herangebracht wird. Im geisteswissenschaftlichen Denken liegt aber die Betätigung, welche die Seele beim naturwissenschaftlichen Denken auf den Beweis wendet, schon in dem Suchen nach den Tatsachen.


Man kann diese nicht finden, wenn nicht der Weg zu ihnen schon ein beweisender ist. Wer diesen Weg wirk­lich durchschreitet, hat auch schon das Beweisende erlebt; es kann nichts durch einen von außen hinzugefügten Beweis geleistet werden. Daß man dieses im Charakter der Geheimwissenschaft verkennt, ruft viele Mißverständnisse hervor.


Drüsen- und Lymphsäfte der Menschen als physische Leiber von Wesenheiten anderer Planeten.

„Nun sind diese [geistigen] Wesenheiten auch sonst durchaus nicht ohne Beziehung zum Menschen. Sie haben vielmehr eine tiefe Beziehung zu unserem unmittelbaren menschlichen Bau. Von dem, was sich im menschlichen Leibe findet, gehört eigentlich nur eines dem Menschen an oder kann ihm immer mehr angehören: das ist sein Blut.

Des Menschen Blutsaft ist das, was unmittelbar der Ausdruck seines Ich ist.

Wenn aber der Mensch nicht immer mehr und mehr darauf schaut, sein Ich durch einen starken und kräftigen Willen, durch seine starke und kräftige Seele innerlich zu festigen,

wenn ihm sozusagen sein Ich abhanden kommt, dann können sich auch in seinem Blut andere Wesenheiten verankern,

und das ist dann sehr schlimm und böse für den Menschen. Dagegen sind in anderen Teilen des menschlichen Organismus heute noch viele andere Wesenheiten verankert, sind in ihm enthalten, und wir wollen einmal sehen, was da eigentlich alles seine Fühlhörner in diesen menschlichen Leib hineinerstreckt, was da im menschlichen Leibe sich alles verankert. Da müssen wir ein wenig eingehen auf diesen menschlichen physischen Leib.


Sie wissen, dass das Blut, das durch die Adern rinnt und sich im Menschenleib ausbreitet, der Ausdruck des menschlichen Ich ist und dass es immer stärker und stärker der Ausdruck des Ich wird, wenn das Ich selbst immer stärker und kräftiger in sich seinen Mittelpunkt, sein inneres Kraftzentrum findet. In Bezug auf andere Teile, auf andere Einschlüsse des Organismus wird das Ich des Menschen erst in einer viel künftigeren Zeit die Herrschaft erhalten.

Heute sind in diesen Ingredienzien des menschlichen Leibes noch viele andere Wesenheiten enthalten. Wir wollen die drei Säftestufen Chylus, Lymphe und Blut jetzt einmal zum Zwecke unserer Betrachtung näher ins Auge fassen.
Sie wissen vielleicht, welche Bedeutung diese drei Arten von Säften für den Menschen haben. Sie wissen, wenn der Mensch seine Nahrung genießt, so wird sie zunächst durch die vorbereitenden Organe in den Magen befördert und mit den entsprechenden Säften, die aus den Drüsen abgesondert werden, untermischt und zubereitet, so dass sie durch die Gedärme verarbeitet werden kann. Da ist die Speise in einen flüssigen Zustand gebracht, den Speisebrei, der durch die Gedärme vorwärtsgeführt wird. Das, was für den Menschen Nahrungsstoff sein kann, wird dann durch kleine Organe, die man die Darmzotten nennt, in den Leib übergeführt, um für diesen Leib als Nahrungssäfte zu dienen, um den Leib immer wieder neu aufzubauen. Das ist eine Sorte von Substanzen, die wir im Leibe haben, die wir den Chylus nennen.
Dann wissen Sie vielleicht auch, dass außer diesem Chylus, der dadurch zustande kommt, dass von außen die Nahrung in den menschlichen Leib eindringt, auch noch im Inneren des menschlichen Leibes ganz gleichlaufende Gefäße sind, die eine Art von Saft führen, der in einer gewissen Beziehung ähnlich ist der weißen Substanz in unserem Blut. Dieser Saft fließt auch durch den ganzen menschlichen Organismus in gewissen Gefäßen, und diese Gefäße laufen vielfach zusammen mit denjenigen Blutgefäßen, die wir die Venen nennen, weil sie blaurotes Blut enthalten. Diese Gefäße nehmen sogar auch den Chylus auf. Die Flüssigkeit, die sie enthalten, das ist die Lymphe.

Das ist ein Saft,- der, man möchte sagen, vergeistigt ist gegenüber dem eigentlichen Speisesaft, dem Chylus. Diese Lymphgefäße, welche die Lymphflüssigkeit führen, haben ihren Verlauf im ganzen menschlichen Leib; sie durchziehen sogar das Knochenmark in einer gewissen Beziehung, und das, was sie führen, nimmt dann auch den Speisebrei auf, den Chylus. Alles, was in der linken Körperhälfte und in den unteren Extremitäten ist – von der linken Kopfseite, linken Seite des Rumpfes bis zur linken Hand und den beiden Beinen -, alles, was da an Lymphflüssigkeit ausgebreitet ist und zerläuft, sammelt sich und fließt in die linke Schlüsselbeinvene hinein und mündet dann ein in den Blutkreislauf. Nur das, was in den Lymphgefäßen in der rechten Kopfseite und in der rechten Seite des Rumpfes ist, vereinigt sich und führt die Lymphe in die rechtsseitige Schlüsselbeinvene, so dass auf diese Weise die Lymphgefäße der Ausdruck einer wichtigen Tatsache werden.
Sie sehen, wie der Mensch dadurch in zwei Teile geteilt ist, und zwar nicht symmetrisch, sondern so, dass der eine Teil seine ganzen unteren Körperteile und die linke Hälfte des Rumpfes und des Kopfes umfasst, während der andere Teil von der rechten Seite des Rumpfes und des Kopfes gebildet wird. Das ist ein zweiter Saft, der im Menschen pulsiert, ein Saft, der dem Seelischen viel näher steht, als dies bei dem Chylus, dem Magen- und Darmsaft des Speisebreis, der Fall ist, obwohl ja seelische Zustände auch auf die Verdauung und den ganzen Kreislauf des Speisesaftes ihren tiefgehenden Einfluss haben. Mit den Lymphsäften hängen aber seelische Zustände viel tiefer zusammen. Bei einem Menschen, der stark tätig ist, der sehr aktiv ist, fließt die Lymphe viel lebhafter als bei einem Menschen, der träge und faul ist und nichts tut. Und so können wir viele seelische Zustände anführen, die mit dem Verlauf der Lymphe im menschlichen Leibe zusammenhängen.


Der dritte Saft ist das Blut, von dem wir öfter gesprochen haben. Es zerfällt in ein rotes, sauerstoffreiches, lebenspendendes Blut, das in den Arterien fließt, und in ein blaurotes, kohlenstoffreiches Blut, das in den Venen fließt.

Ebenso wie unser Blut die Offenbarung, der Ausdruck ist unseres Ich, so ist die Lymphe in einer gewissen Richtung der Ausdruck, die Offenbarung des menschlichen Astralleibes.

Solche Dinge äußern sich da nicht bloß nach einer Richtung. Nach einer anderen Richtung ist der Ausdruck des astralischen Leibes das Nervensystem. Nach der Richtung, die wir heute betrachten wollen, ist in der Tat, die Offenbarung, der Ausdruck des astralischen Leibes die Lymphe. Wie ein Mensch zwei Berufe ausfüllen kann, so ist es auch mit dem menschlichen Astralleib: auf der einen Seite ist er der Aufbauer des Nervensystems, auf der anderen Seite der Aufbauer, der Bildner für die Lymphe. Der menschliche Ätherleib ist ebenso der Aufbauer und Bildner für das ganze Drüsensystem, wie auch in einer anderen Weise der Aufbauer, der Organisator, der Bildner und Regierer des Umlaufes des Chylus, des Speisebreis. So haben Sie zunächst einen Zusammenhang dieser im menschlichen Leibe verlaufenden Säfte mit den Gliedern der menschlichen Natur selber.
Nun müssen wir uns darüber klar sein, dass im menschlichen Astralleib, im menschlichen Ätherleib das Ich durchaus nicht etwa der einzige Herr ist.

Der Mensch erlangt durch seine Entwickelung allmählich von seinem Ich aus immer mehr Herrschaft über seinen astralischen und seinen Ätherleib, wenn er seinen astralischen Leib umwandelt in Geistselbst oder Manas, und den Ätherleib umwandelt, dass das Ich die Herrschaft erlangt über den Lebensgeist oder die Buddhi.

Aber solange der Mensch nicht die Herrschaft hat über diese Teile seiner Wesenheit, so lange sind andere Wesenheiten im Zusammenhange mit diesen menschlichen Gliedern.
Im menschlichen Astralleib sind, eingebettet wie die Maden im Käse – entschuldigen Sie diesen unappetitlichen Vergleich, aber es ist so -, andere Wesenheiten.

Und zwar sind ihm eingegliedert, haben etwas zu tun mit diesem Astralleib jene astralischen Wesenheiten, von denen ich Ihnen gesagt habe, dass sie ihre eigentliche Heimat auf dem Mond oder Mars haben, je nachdem sie gutartige oder bösartige Wesenheiten sind.

Die verankern sich im Astralleib, Und die Lymphe, jener weißliche Saft, der den Menschen durchläuft, der gehört zum Leibe derjenigen Wesenheiten, die in unserer astralischen Welt leben.

So handgreiflich wie die Tiergruppen-Iche sind allerdings diese Wesenheiten nicht vorhanden, die wir auf dem astralischen Plan als astralische Wesenheiten finden, und die auf dem Mond oder auf dem Mars ihre eigentliche Heimat haben. Aber sie sind solcher astralischer Natur, dass wir in einer gewissen anderen Richtung sagen können: Wie wir in den Tieren, zum Beispiel in einer Gruppe von Löwen, eine Art Offenbarung haben der Wesenheit, die wir auf dem Astralplan als eine geschlossene Persönlichkeit antreffen, als das Löwen-Ich, so haben wir, wenn auch nicht so handgreiflich, in dem, was den menschlichen Leib als Lymphe durchzieht, ebenso die Offenbarung, die ausgestreckten Glieder dieser astralischen Wesenheiten.
Also, so können Sie fragen, haben diese astralischen Wesenheiten ebenso eine Art physisches Dasein wie die Gruppenseelen der Tiere, wie das Gruppen-Ich der Gattung Löwe in den einzelnen Löwenindividuen hier auf dem physischen Plan seine Offenbarung hat? Wenn Sie so fragen, müsste man Ihnen antworten: Ja, das haben sie. – Wie wir bei den Tieren sahen, dass das astrale Gruppen-Ich seine einzelnen Glieder ausstreckt in die einzelnen Löwenindividuen,

so strecken diese astralischen Wesenheiten ihre physische Wesenheit auch hier hinein. Nur könnten sie sie nicht so von außen in den physischen Plan hereinerstrecken, sondern sie brauchen auf dem physischen Plan Wesenheiten, deren Parasiten sie sind, in die sie sich einklammern und einbohren. Sie sind hier die Parasiten der Menschen.

Gäbe es keine menschlichen Wesen hier auf der Erde, so würden sie sehr bald von der Erde ihren Abschied nehmen, weil sie keine Wohnstätten fänden; es würde ihnen hier nicht gefallen. Aber es gibt Wesenheiten, Menschen und höhere Tiere, die Lymphe haben: da, in dieser Lymphe haben diese Wesenheiten ihre physischen Offenbarungen. So pulsiert in unserem Leibe nicht bloß ein materieller Stoff, sondern in jedem solchen Kreislauf bewegen sich, und zwar in ganzen Scharen, solche Wesenheiten, die durch den Menschen rotieren, sich durch ihn hindurchbewegen und in der Lymphe ihren Körper haben, während der eigentliche Mensch, der Ich-Mensch, zunächst im Blute bloß seinen Körper hat. Und ob einen Menschen mehr Mondwesen dieser Art durchkreisen oder mehr Marswesen dieser Art, das gibt seiner Lymphe den besonderen Charakter. Durchkreisen den Leib in einem Menschen mehr Mondwesen, so neigt er mehr zur Bosheit, zum Zorn, zum Ingrimm; durchkreisen ihn mehr Marswesen, so ist er ein Mensch, der mehr zur Sanftmut, zum Wohlwollen, zur Milde neigt. So sehen Sie, wie der Mensch nicht bloß von Säften, sondern auch von Geistern durchzogen ist, und wie man den Menschen nur versteht, wenn man weiß, dass er nicht bloß von Säften, sondern auch von Geistern durchzogen ist.
Wenn Sie nun hellseherisch das erforschen, was man Chylus nennt, was also der äußere Ausdruck zunächst des menschlichen Ätherleibes ist, so haben Sie auch da wiederum ähnliche Wesenheiten verankert und eingegliedert. Das, was da eingegliedert ist, sind zunächst jene Wesenheiten, die wir vorhin charakterisiert haben auf der einen Seite als die guten, auf der anderen Seite als die schlimmen Venuswesenheiten, jene Wesenheiten, die ihre Heimat auf der Venus haben und die sich in unserer devachanischen Welt finden. Dort sind sie für das hellseherische Vermögen Persönlichkeiten, und ihre Äußerung, ihre Offenbarung hier im physischen Leben haben sie in dem menschlichen Speisesaft, in dem Chylus, so sonderbar das auch aussieht. In diesem den menschlichen Leib durchziehenden Speisesaft leben diese Wesenheiten, die ihre eigentliche Heimat auf dem Devachanplan haben und die, insofern sie einen physischen Leib annehmen, auf der Venus ihr physisches Leben haben. Und da die Venus in ihren Kräften in einer gewissen Weise zusammenhängt mit unserer ganzen Erdvegetation und mit allem, was sonst auf unserer Erde lebt, so werden Sie einsehen, welcher Zusammenhang besteht zwischen dem, wovon sich der Mensch ernährt, und dem, was aus dem Menschen durch diese Nahrung wird. Das ist eben ganz und gar nicht gleichgültig. In allen Pflanzen, und natürlich auch in den Tieren, leben die Einflüsse der Venuswesenheiten, auf der einen Seite die der guten, sanften, milden, auf der anderen Seite die jener wilden Venuswesenheiten, die Ihnen geschildert worden sind als raubgierige und miteinander im Kampf befindliche Wesenheiten.

Je nachdem die einen oder die anderen Wesenheiten auf unsere Tiere oder Pflanzen wirken, sind das Fleisch oder die Pflanzen so, dass, wenn sie sich in Speisesäfte verwandeln, sie dem Menschen Tugenden oder Laster in seinen Leib hineinbauen.


Daran sehen Sie von einem noch höheren Standpunkt aus, als es Ihnen in früheren Vorträgen schon dargestellt werden konnte, die Wichtigkeit, vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkt aus die menschliche Nahrung zu kennen, zu wissen, unter welchen Einflüssen diese und unter welchen Einflüssen jene Pflanze steht, und welches Tier diesem oder jenem Einfluss unterliegt. Sie können daraus die Lehre entnehmen, dass derjenige zum Beispiel, der da weiß, dass in einem Lande diese oder jene Pflanzen und Tiere gedeihen, die unter diesem oder jenem himmlischen Einfluss stehen, begreift, wie ein ganz bestimmter Volkscharakter sich aufbauen muss, weil in allem, was der Mensch an Nahrung zu sich nimmt, die aus seiner Umgebung gewonnen wird, er nicht nur das isst, was die Chemie an Stoffen klarlegt, sondern er isst bestimmte Geister mit, und diese sind es, die durch seinen Mund in den Magen gehen und in seinem Wesen sich ausbreiten. Da eröffnet sich uns die Perspektive, wie man aus der tieferen geographischen Beschaffenheit eines Landes den Charakter eines Volkes erkennen kann.“

Rudolf Steiner am 06.01.1908 in der GA 102 („Das Hereinwirken geistiger Wesenheiten in den Menschen“), S. 18 ff.


Der Mensch zwischen Tod und neuer Geburt

„Gestern haben wir uns vor die Seele geführt, wie der Moment des Todes verläuft, wie der Ätherleib mit dem Astralleib und dem Ich- Träger heraustritt aus dem physischen Leibe und das Erinnerungstableau vor der Seele steht. Bei diesem Tableau zeigt sich eine Eigentümlichkeit. Es ist nämlich so, dass die Ereignisse wie gleichzeitig vor der Seele stehen und wie eine Art Panorama einen Überblick gestatten. Das Wesentliche davon ist aber, dass man es wirklich wie ein Bild empfindet.

Im wirklichen physischen Leben sind die Ereignisse mit Freude und Schmerz verbunden; diese Empfindungsinhalte sind in den wenigen Tagen nach dem Tode fort. Es ist dieses Erinnerungsbild ein objektives Gemälde. Versuchen wir es uns klarzumachen an einem Beispiel. Wir sehen uns in einer recht fatalen, schmerzlichen Situation drinnen, wir erleben sozusagen deren Verlauf, aber das Schmerzliche dabei bleibt weg. Es ist wie ein Bild, das wir betrachten und das etwa einen Gemarterten darstellt: wir empfinden den Schmerz nicht wirklich, sondern schauen ihn nur objektiv an.

So ist es mit dem Erinnerungsbild nach dem Tode. In dem Momente tritt es ein, wo der Ätherleib zum großen Teil heraustritt, sich von dem physischen Leibe loslöst und dann im allgemeinen Weltenäther sich auflöst. Und zurück bleibt von ihm der Extrakt, der die Frucht des verflossenen Lebens enthält. – Jetzt beginnt für die Seele eine wirklich wesentlich andere Zeit, die Zeit des Abgewöhnens von dem Hängen an der physischen Welt. Vorstellungen davon machen wir uns am besten, indem wir uns sagen: Für den Okkultisten ist die Summe von Trieben und Begierden etwas Reales.

Das nun, was im astralischen Leibe vorhanden ist, das hört nach dem Tode mit dem Ablegen des physischen Leibes nicht auf, sondern all diese Triebe und Wünsche sind da. Wer in diesem Leben ein Feinschmecker gewesen ist, der verliert im Tode nicht die Lust an den leckeren Speisen, denn die Lust haftet am Astralleibe, und nur die physischen Werkzeuge, Gaumen, Zunge und so weiter hat er nicht mehr, womit er die Gier befriedigen kann. Wir können seine Lage vergleichen – weil auch die Sache aus einem andern Grunde so ist – mit einem Menschen, der furchtbaren Durst hat und keine Möglichkeit, ihn zu löschen. Er leidet diese Begierden, er leidet unter der notwendigen Entbehrung der Erfüllung dieser Begierden.

Der Sinn dieses Leidens ist, zu fühlen, was es heißt, Begierden zu haben, die nur mit physischen Werkzeugen befriedigt werden können. Kamaloka: Abgewöhnung, «Ort der Begierden» nennt man diesen Zustand. Er dauert, vielleicht können wir noch genauer darauf eingehen, ein Drittel der Zeit, die der Mensch zwischen Geburt und Tod zubringt. Stirbt also jemand mit sechzig Jahren, so kann man sagen, zwanzig Jahre, ein Drittel seines verflossenen Lebens bringt er in Kamaloka zu. In der Regel dauert also Kamaloka so lange, bis er sich all die Begierden, die ihn noch an den physischen Plan knüpfen, abgewöhnt hat. Das ist eine Seite der Kamalokazeit. Aber wir wollen Kamaloka auch noch von einer andern Seite betrachten.

Das, was der Mensch im physischen Leibe erlebt, ist von Wert für ihn, weil er auf dem Wege jener Erfahrungen sich immer höher und höher entwickelt durch das, was er auf Erden leistet. Das ist das Wesentliche. Andererseits bieten sich zwischen Geburt und Tod für den Menschen zahlreiche Anlässe, sich Hindernisse der Entwickelung zu schaffen. Dazu gehört alles das, was von unserem Tun dem Mitmenschen schadet. Jedes Mal, wenn wir uns auf Kosten unserer Mitmenschen irgendeine eigennützige Befriedigung verschaffen, oder irgendetwas Eigensüchtiges unternehmen, das aber zusammenhängt und irgendwie eingreift in die Welt, schaffen wir ein Hindernis für unsere Entwickelung. Wir geben jemandem eine Ohrfeige: der physische und moralische Schmerz derselben ist für uns ein Entwickelungshindernis. Dieses Entwickelungshindernis würde uns für alle folgenden Zeiten und Leben anhängen, wenn wir es nicht aus der Welt schaffen würden. Der Mensch erhält nun in der Zeit des Kamaloka einen Anstoß, diese Entwickelungshindernisse aus dem Weg zu schaffen. Nun spielt sich die Kamalokazeit so ab, dass der Mensch sein ganzes Leben zurückerlebt, und zwar wird er es dreimal so schnell rückwärts durchleben.

Das ist überhaupt das Merkwürdige der astralischen Welt, des Kamaloka, dass die Dinge alle wie Spiegelbilder erscheinen. Und das ist auch das Verwirrende für den Schüler bei seinem Eintritt in die astralische Welt. Die Zahl 346 zum Beispiel muss er 643 lesen. Er muss alles umkehren beim Schauen in der astralischen Welt. So ist es mit allen Dingen, die sich auf die astralische Welt beziehen. So ist es aber auch mit allen Ihren Leidenschaften. Nehmen wir an, es wird jemand durch Schulung oder pathologische Zustände hellsehend, so sieht er zuerst die eigenen Triebe und Leidenschaften, die von ihm ausströmen, ihm erscheinen in Form von allerlei Figuren und Gestalten, und in Radien von allen Seiten auf ihn zukommen.

Wer regulär oder auf unregelmäßige Art sehend wird im astralen Raum, der sieht zuerst diese Gestalten, die als Fratzen oder dämonische Gestalten auf ihn eindringen. Das ist eine sehr fatale Sache, besonders für solche, die sehend werden und jenes Eigentümliche noch nie gehört haben. Es wird das immer weniger selten werden, weil wir heute gerade in einem Entwickelungszustande begriffen sind, wo einer Anzahl von Menschen sich das Auge für die geistige Welt öffnet. So soll auch dies gesagt werden, damit sich jene, denen es passiert, dann nicht fürchten.

Denn Geisteswissenschaft ist dazu da, um dem Menschen Führer in die geistige Welt zu sein. Für viele, die hellsehend werden, hängt damit viel seelisches Unglück zusammen, weil sie unwissend sind über alle diese Tatsachen und Zustände. Sie sehen also alle diese Dinge im Spiegelbilde in der astralischen Welt, Sie sehen auch anderes in der geistigen Welt. In der physischen Welt sehen Sie, wenn das Huhn ein Ei legt, erst das Huhn und dann das Ei, astralisch sehen Sie den Vorgang, wie das Ei in das Huhn zurückgeht.

Es wird also alles zurückerlebt. Denken Sie sich, man stirbt mit sechzig Jahren und kommt dann in Kamaloka an den Punkt, wo man mit vierzig Jahren dem andern eine Ohrfeige gegeben hat: jetzt erlebt man in Kamaloka alles das, was der andere durch uns erlebt hat, man ist förmlich in der Natur des andern darinnen. So lebt man sein Leben zurück bis zu der Geburt. Aber nicht nur Schmerz, auch Freude erlebt man, die Freude, das Glück, das man andern zugefügt hat.

Stück für Stück legt die Seele so dasjenige ab, was ihre Entwickelungshindernisse sind. Und sie muss der weisheitsvollen Lenkung dankbar sein, die ihr die Möglichkeit des Ausgleichs gibt. Denn sie nimmt mit dem Willen, das wieder gutzumachen, jedes Mal so etwas davon auf wie eine Marke, einen Willensimpuls, das wieder gutzumachen, was für sie Entwickelungshindernisse sind. Und sie kommt im kommenden Leben in die Lage, das zu tun. Wir sehen also, das objektive Tableau ist etwas ganz anderes als das Rückerleben in Kamaloka.

In Kamaloka erlebt man sehr genau das, was der andere empfunden hat bei unserem Verhalten, man erlebt die andere Seite der eigenen Taten. Aber es ist nicht bloß dieses Kreuz dort zu erleben, sondern das, was man hier als Schmerzen erlebt hat, es ist dort Lust und Freude. Man erlebt also Lust und Leid als das Gegenteil von dem, was es in der physischen Welt war.

Gerade dazu ist Kamaloka da, um der Seele das zu geben, was das Erinnerungstableau nicht gibt: das Zurückerleben von Schmerz und Freude.Ist nun das Kamaloka durchlebt, so wird eine Art dritter Leichnam abgelegt. Zuerst war es der physische Leichnam, dann der ätherische, der sich im allgemeinen Weltenäther auflöst, und jetzt ist es der astralische Leichnam. Dieser umfasst alles das von des Menschen astralischem Leibe, was er noch nicht von seinem Ich aus geläutert und geordnet hat. Das, was er einst mitbekommen hat als Träger seiner Triebe und Leidenschaften, und was er nicht vom Ich aus umgearbeitet, vergeistigt hat, das löst sich los nach dem Kamalokazustand.

Mit nimmt der Mensch auf seiner weiteren Bahn einen Extrakt vom Astralkörper: erstens die Summe all der guten Willensimpulse, und zweitens alles das, was er vom Ich aus umgewandelt hat. Alles, was er veredelt hat von seinen Trieben: das Schöne, das Gute, das Moralische, das bildet den Extrakt seines astralischen Leibes. Der Mensch besteht nun am Ende der Kamalokazeit aus dem Ich, und um dieses gleichsam herumgelagert hat er den Extrakt des astralischen Leibes und des Ätherleibes, die guten Willensimpulse.Nun beginnt für den Menschen ein neuer Zustand, der des leidfreien, geistigen Lebens, des Devachans.

Es ist für den Okkultisten sehr erhebend, wenn er solche Dinge als Tatsachen erlebt und sie dann wiederfindet in den heiligen Urkunden und religiösen Schriften. Die Stelle im Neuen Testament ist eine solche, die da lautet: «So ihr nicht werdet wie die Kindlein, so könnet ihr nicht in die Reiche der Himmel kommen.»

Hier ist hingedeutet auf das Zurückleben bis zur Geburt: das sind solche große Momente, die man den religiösen Urkunden gegenüber haben kann. Sie müssen mich recht verstehen: der Okkultist schwört auf keinerlei Urkunde und Autorität, für ihn sind einzig die Tatsachen der geistigen Welt maßgebend, aber die Urkunden, sie werden ihm objektiv wieder wertvoll. Die Theosophie ist nicht aufgebaut auf irgendeine religiöse Urkunde, sondern unmittelbar auf die Erforschung von geistigen Tatsachen. Die Grundlage aller Geisteswissenschaft ist die objektive Forschung; wenn dann die Urkunden Ähnliches enthalten, dann wird sie der Okkultist erst recht entsprechend werten können.“

Rudolf Steiner am 06.06.1909 in der GA 109 („Das Prinzip der spirituellen Ökonomie im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen“), S. 186 ff.